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| Nr. 1, September 2006 | 

Mata Hari und ihre Zeit in Wilmersdorf


von Bernd Oertwig


Tänzerin und Spionin, ewige Lügnerin und Kurtisane, am Ende eine tragische Figur: Die Agentin H 12 wird wegen Verrats von den Franzosen 1917 erschossen. An einem Märzabend 1903 erfindet Margaretha Zelle, geboren in Holland, die Kunstfigur Mata Hari. Zehn Jahre lang hält sie mit großer Energie diese Illusion aufrecht, ist die Scheherezade der Snobs. Alles an ihr ist künstlich: Eine Holländerin, die sich als Inderin verkauft, eine Tempeltänzerin, die nicht tanzen kann. Und doch liegen ihr speziell in Paris die Männer zu Füßen, als sie ihren orientalischen Schleiertanz aufführt.

Sie feiert Triumphe – und ist doch 1906 ganz plötzlich verschwunden. Der Liebe wegen zieht sie nach Berlin. Der Mann ihres Herzens ist ein Husarenleutnant und heißt Alfred Kiepert. Mit ihm, so beschreibt es ihr Biograph Fred Kupfermann, zieht Mata Hari in die Nachodstraße 39, heute die Nummer 17. Uniformen haben es Mata Hari schon immer angetan. Die Wohnung soll nicht groß gewesen sein, die Liebe war es wohl um so mehr. Mata Hari bleibt sechs Monate, in denen sie ihre Deutschkenntnisse verbessert und neue Bekannte kennen lernt. Angeblich sogar Kronprinz Wilhelm von Preußen, Sohn von Wilhelm II. Gerüchte sagen, sie soll seine Geliebte gewesen sein. Sie selber hat dieses Gerücht natürlich nie dementiert.

Sie verlässt den Leutnant, als ihr Agent sie nach Wien lockt. Noch einmal kommt sie nach Berlin: Januar 1913. Sie trifft Paul Cambon, der im Dienste Frankreichs steht, und bittet ihn, sich bei Wilhelm II. für sie einzusetzen, damit sie an der Berliner Oper auftreten kann. Daraus wird nichts. Sie verlässt Berlin.  

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