| Nr. 1, September 2007 |
Krücke – Berlins größte Pfeife
von BERND OERTWIG
Er war Berlins größte Pfeife – und das im positivsten Sinne des Wortes. Reinhold Habisch, den alle nur „Krücke“ nannten, weil er im Berliner Sportpalast mit seinen gellenden Pfiffen aus dem »Praterwalzer« den legendären „Sportpalastwalzer“ gemacht hat. Damit begeisterte erst die Zuschauer auf dem „Heuboden“, ganz oben bei den billigen Plätzen, und dann auch die Leute in Rängen und Parkett.
Als 16-Jähriger war er mit dem Fahrrad vor eine Straßenbahn gestürzt - das Bein war ab. Der Traum vom großen Rennfahrer dahin. Was ihm blieb: Sein Humor und seine Krücke. Deshalb also „Krücke“. Es gab praktisch kein Radrennen in Berlin, das Reinhold Habisch versäumte. Er kannte alle Rennfahrer, duzte die meisten.
1950 schrieb er sogar eine kleine Biographie: Postkartengroß und 86 Seiten stark. „Deutschlands Original Krücke“. Als Kleinrentner knatterte er nach dem Krieg mit seinem alten Motorrad umher und fuhr Reklame.
Das Berliner Original starb am 7. Januar 1964, einen Tag vor seinem 75., und liegt in einem Ehrengrab auf dem Friedhof der St. Thomas-Gemeinde in Neukölln.
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