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| Nr. 1, September 2006 |
Als noch die alte 75 durch die Spandauer Wilhelmstraße fuhr
So hat sich mein Kiez verändert
Vor dem Umbau: Die Straßenbahn 75 in der engen Wilhelmstraße.
Von Bernd Oertwig
Uwe Loleit (57) wuchs im Spandauer Kiez an der Wilhelmstraße auf. Sein Vater Ernst Loleit, ein Friseurmeister mit eigenem Geschäft in der Pichelsdorfer Straße, war begeisterter Hobby-Photograph. In seinem Nachlaß fand der Sohn Bilder, die der Vater aus der Wohnung Pichelsdorfer Straße 148, dritter Stock, gemacht hat und damit einschneidende Veränderungen auf der anderen Straßenseite dokumentiert.
Betonmischer arbeiten an der Ecke Pichelsdorfer Straße und Wilhelmstraße.
„Es war 1963, als das Areal Wilhelmstraße 1-3 zwischen der Seeburger Straße und dem Knick in die Pichelsdorfer Straße von Grund auf verändert wurde. Ich kann mich noch an die alte Straßenbahnlinie 75 erinnern, die immer quietschend von der Wilhelmstraße in die Pichelsdorfer Straße einbog – mit Endstation Zoo. Eines Tages tauchten Bauarbeiter, Kräne und Lastwagen auf. Die alte Häuserzeile uns gegenüber wurde nach und abgerissen. Die Kneipe Ziegelhofklause verschwand ebenso wie eine Fahrschule und ein kleines Obstgeschäft, in dem meine Mutter immer eingekauft hatte. Die Wilhelmstraße wurde an dieser Stelle fast um das Doppelte verbreitert. Eine alte Villa, die hinter Bäumen versteckt war, fiel den Baumaßnahmen genauso zum Opfer wie die Bäume.
Die neue Einkaufszeile wächst. Photos: Ernst Loleit
Es entstand innerhalb der drei Jahre eine komplette neue Häuserzeile. Ein Supermarkt von Butter-Beck kam hinzu, ein neues Restaurant. Das hieß Pulvermühle, existiert auch schon seit Jahren nicht mehr. Ein Italiener ist dort eingezogen, dessen Gäste vor allem aus der Kiez-Nachbarschaft kommen.“
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