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| Nr. 1, September 2006 | 

Wie Friedrich der Große sein eigenes Volk mit falschen Münzen betrog

Buchautor Helmut Caspar über Taler und Euro


von BERND OERTWIG


Alarm bei Kripo und Verbrauchern. Experten schätzen, dass im gesamten Euro-Währungsgebiet rund zehn Millionen falscher Münzen im Umlauf sind. Tendenz steigend. Bei Fälschern besonders beliebt: Die deutschen Zwei-Euro-Stücke. Fachleute gehen davon aus, dass eine falsche 1- oder 2-Euro-Münze den Fälscher rund 20 Cents kostet – hauptsächlich für das Metall.

Münzfälschungen haben eine lange Tradition. Zumal in Preußen. Doch waren es im 18. Jahrhundert keine Ganoven, die falsche Münzen herstellten, sondern der König selber. Friedrich II. (1712-1786) betrieb im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) eine staatlich sanktionierte Falschmünzerei im großen Stil. Das beschreibt der Berliner Autor Helmut Caspar in seinem neuen Buch „Vom Taler zum Euro“ (Berlin Story Verlag, 14,95 Euro).

Friedrich der Große ließ im besetzten Sachsen minderwertige Geldstücke mit Bildnis und Wappen seines verhassten Feindes Friedrich August II. herstellen. Die Fälscher mussten auf Geheiß des Preußen-Königs erbeutete oder flachgeschnittene Stempel verwenden. Besonders perfide: Die Jahreszahlen auf den Münzen wurden zurückdatiert. Dadurch wurde der Eindruck erweckt, die Geldstücke stammten aus der Vorkriegszeit, waren also „Friedensmünzen“.

Der Mann, der für Friedrich den Großen die Falschmünzerei betrieb, war der Münzpächter Veitel Heine Ephraim aus Berlin. Seine nachgeprägten Münzen hießen schnell „Ephraimiten“. Kein schlechtes Geschäft für Falschmünzer und König. Der Gewinn ging in die Millionen Taler. Friedrich der Große finanzierte damit seine preußischen Feldzüge. Aber auch für den Fälscher im Dienste des Königs blieb einiges hängen. Er baute sich nach Plänen des Architekten Friedrich Wilhelm Diterichs an der Poststraße im Herzen Berlins ein prächtiges Palais. Wegen einer Verbreiterung des Mühlendamms wurde die „schönste Ecke Berlins“ 1936 abgetragen. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte das Haus in Westberlin als Jüdisches Museum aufgebaut werden. Nachdem der Westberliner Senat Steine und Figuren an Ost-Berlin zurückgegeben hatte, wurde das Ephraim-Palais fast an der der originalen Stelle wieder aufgebaut. Zwölf Meter versetzt und etwas erhöht. Einweihung war zur 750-Jahr-Feier Berlins 1987.

Friedrich II. hatte auch keine Skrupel davor, sein eigenes Volk zu betrügen und ließ preußisches Kleingeld fälschen. Da seine eigenen Münzprägestädte Königsberg und Kleve besetzt waren, ließ er die Münzen in den von Preußen annektierten Städten Dresden und Leipzig herstellen. Bei diesen massenhaft geprägten Ephraimiten war die Schere zwischen dem Nominalwert und dem inneren Gehalt enorm. Schon vier Monate nach Beginn seiner Fälscheraktion konnte Ephraim 200 000 Reichstaler an die Kriegskasse in Berlin liefern. Natürlich in echten Münzen.


Lesen Sie über Friedrich II. auch: „Der königliche Hundenarr“

Das Ephraim-Palais gehört heute der Stadt Berlin. Im Museum Ephraim-Palais veranstaltet die Stiftung laufend Austellungen zur Berliner Kulrugeschichte. 

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