www.berliner-lindenblatt.de - Die Zeitung für Berliner Geschichte: Berlin-Bücher, Berlin-Chronik, Berlin-Themen, Berlin-Veranstaltungen
Startseite arrow Berlin im Museum arrow Wilmersdorf
Aktuelle Themen
Mittwoch, 17. März 2010
Startseite
Veranstaltungen
Stadtführungen Berlin
Suche
Berliner Geschichte
Architektur
Berliner Straßen
Bildung
Biographien
Geschichte
Künste
Literatur
Sozialwesen
Spaziergänge
Stadtteile
Technik & Verkehr
Wirtschaft
Berlin im Überblick
Adressen / Links
Chronik Berlin
Retrospektive
Berliner Bürgermeister
Lindenblätter
Pin-up-Galerie
Kaffeehaus Berlin
Fundstücke
Berlin im Museum
Berlin erzählt
Berlin-Bücher
Bücherblatt 2008
Bücherblatt 2007
Bücherblatt 2006
Von gestern
Unverzichtbar
Register AutorInnen
Register Themen
Service
Übersicht
Themenübersicht
Presse
Impressum




| Nr. 2, Oktober 2006 | 

100 Jahre Wilmersdorf im Heimatmuseum

Von Schafherden zu Emils Detektiven


von GERHILD H. M. KOMANDER


Wilhelm Rex persönlich unterzeichnete die Verleihung der Stadtrechte vor 100 Jahren: „Auf den Bericht vom 15. August d. Js. will Ich der Landgemeinde Deutsch-Wilmersdorf im Kreise Teltow die Annahme der Städteordnung vom 30. Mai 1853 gestatten. Wilhelmshöhe, den 20. August 1906. gez. Wilhelm R. ggz. von Bethmann Hollweg.“ Kaiser Wilhelm II. unterschrieb die Urkunde als preußischer König. Theobald von Bethmann Hollweg (1856-1921) zeichnete als preußischer Innenminister gegen. 1909 stieg er zum Reichskanzler, Ministerpräsidenten und Außenminister auf. Die märkischen Dörfer Deutsch-Wilmersdorf und Schmargendorf entwickelten sich vor den Toren Berlins zu einer Stadt.


Einen Scheffel Roggen für den Pfarrer

Die Dörfer des Bezirkes entstanden im Zuge der deutschen Besiedlung der Mark, spätestens im 13. Jahrhundert. Der Wilmersdorfer Pfarrer betreute damals auch Lützow (seit 1705 Charlottenburg) und erhielt dafür von den Bewohnern einen Scheffel Roggen im Jahr. So steht es in der Urkunde aus dem Jahr 1293, in der Wilmersdorf zum ersten Mal erwähnt wird. Den Weg des Pfarrers bezeichnet die Brandenburgische Straße, die einst Priesterweg hieß. Die Grünanlagen an der Wilhelmsaue in Wilmersdorf zeichnen noch den Umfang des mittelalterlichen Ortes nach.


Schafherden weiden in Schmargendorf 

Schmargendorf wurde schon im Jahr 1275 als ‘s Marggrevendorp (Dorf des Markgrafen) erwähnt. Der karge Boden hat die Siedlerfamilien knapp ernährt, so dass die Dörfer über Jahrhunderte kaum wuchsen. Wilmersdorf war durch seine Schafherden bekannt. Der große Umbruch kam mit Johann Anton Wilhelm von Carstenn (1822- 1896), dem holsteinischen Unternehmer, der auch Groß-Lichterfelde gegründet hatte. Er entwarf nach englischem Vorbild eine Villenkolonie großen Ausmaßes. Carstenn sah das Zusammenwachsen von Berlin und Potsdam voraus und wollte es planvoll – und Gewinn bringend – gestalten.


„Spreehans“, Wilhelm Bölsche und Rosa Luxemburg 

Diese Jahre beschreibt der Maler und Dichter Hanns Fechner (1860-1931) in seinen Lebenserinnerungen „Spreehanns“, die 1911 erschienen. Wie beispielsweise das Joachimsthalsche Gymnasium 1875 in den unbebauten märkischen Sand gesetzt wurde, bildet eine Zeichnung im Heimatmuseum ab. Wenig optimistisch betrachtete der Künstlerkreis um Wilhelm Bölsche (1861-1939) die sich verdichtende Stadt und flüchtete, erst an den Schlachtensee, dann nach Friedrichshagen.

Andere Menschen suchten Zuflucht in Wilmersdorf: Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht warteten 1919 in der Mannheimer Straße 43 (27) auf falsche Ausweispapiere und wurden von Freikorpssoldaten abgeführt und ermordet.


Erich Kästner dichtet an der Trautenauer Straße

Wie inspirierend das Leben jenseits der Wilhelmsaue sein konnte, bewies Erich Kästner in den zwanziger Jahren. Auf der Terrasse des Café Josty an der Trautenauer Straße schrieb er 1929 „Emil und die Detektive“.

Das Heimatmuseum Charlottenburg-Wilmersdorf hat der Geschichte Wilmersdorfs eine kleine, sehr anschauliche Ausstellung gewidmet. Hier zeigt sich die Bezirksreform von ihrer
bester Seite. Wilmersdorf besitzt wieder ein Archiv mit Museum. Nun kann die Sammlungstätigkeit für alle Teile des Bezirks fortgesetzt werden, wie Museumsleiterin Birgit Jochens erfreut berichtet.


Die Ausstellung „100 Jahre Wilmersdorf“

erarbeiteten Dorothea Zöbl und Brigitte Götz. Sie ist bis zum 31. Oktober 2006 geöffnet.
Heimatmuseum Charlottenburg-Wilmersdorf, Schloßstraße 69, Telefon: 90 29 13 201
Geöffnet: Di. bis Fr. 10.00 bis 17.00 Uhr, So. 11.00 bis 17.00 Uhr.

Zurück zum Seitenanfang

Zurück zum Überblick Berlin im Museum

- © gerhild komander 10/06 -