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 | Nr. 6, Februar 2007 | 

Die Berliner Mauer sinkt

Der neue Invalidenpark an altem Ort


von GERHILD H. M. KOMANDER


Sinkende Mauer - Blick zum Schwarzen Weg Sonnenlicht bricht sich im flachen Wasser, und sein Flirren gleitet über hellen Schiefer. Schiefer, der eine Mauer verkleidet, besser gesagt: ein Stück einer Mauer, die in dem weiten Becken zu versinken scheint.

Das Wasserbecken lockt Menschen und Tiere an. Kindern dient es als Plansche, Hunden als willkommene Erfrischung.

Die Mauer darin ist eine begehbare Skulptur inmitten des zwischen 1996 und 1998 angelegten Invalidenparks. Sie erinnert an die Berliner Mauer, die Ost- und Westberlin bis 1989 trennte und unweit des Parks auf Höhe der Sandkrugbrücke die Invalidenstraße und weiter nördlich den Invalidenfriedhof zerschnitt. Sie wurde am 3. Oktober 1997, dem Tag der Deutschen Einheit,  eingeweiht.

Die „Sinkende Mauer“ erinnert nicht nur an die Berliner Mauer, sondern auch an die Gnadenkirche - errichtet zum Gedenken an Kaiserin Augusta, die hier bis in den Zweiten Weltkrieg stand. Die Ruine wurde 1957 abgetragen. Die einst an diesem Ort fast 42 Meter in die Höhe ragende Invalidensäule ließ die Stadtverordnetenversammlung 1948 nach einer Abstimmung abreißen.

Die Sinkende Mauer - Blick Richtung Spielplatz und HabersaathstraßeDie Skulptur im Wasserbecken ist Teil der Neugestaltung des Invalidenparks durch den französischen Gartenarchitekten Frederic Christophe Girot. Zwischen dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und dem Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen an der Invalidenstraße entstand ein neuer Park am alten Ort. Und dessen war sich Girot sehr bewußt. Mehr noch: Sein Anliegen als Gestalter von Stadtplätzen ist es, die Spuren der Geschichte in den Entwurf einfließen zu lassen.

Im Auftrag des Bundes, der die Neugestaltung des Invalidenparks finanzierte, entwarf Girot ein mehrteiliges Konzept. Vor den Wohnbauten an der Habersaathstraße umstehen hochgewachsene Bäume (aus altem Bestand) einen Kinderspielplatz. Das Grün lichtet sich und geht, vermittelt durch die jungen Gingkos, in den offenen Stadtplatz über. Die hellen Baumkronen stehen in Reih‘ und Glied, dazwischen Bänke auf glattem Kies.

Blick Richtung InvalidenstraßeDas Wasserbecken liegt schräg auf dem rechteckigen Platz, ebenso die „Sinkende Mauer“ im Becken. In dieser Form der Gestaltung gibt es weder eine Erinnerung an die Gärten der Invaliden, die hier in barocker Strenge ab 1747 angelegt wurden, noch an den Landschaftsgarten, den Peter Joseph Lenné 1843 an ihrer Stelle schuf. Doch steht die sinkende Mauer dafür, daß man sich an diesem Platz an mehr als 250 Jahre Berliner Geschichte erinnert. Der neue Park erhält eine historische „Begründung“. Begründung in dem Sinne wie Hausfundamente gegründet werden.

Blick zur Scharnhorststraße mit dem Ministerium im AltbauDer Invalidenpark, der bis in die neunziger Jahre ein wüster Platz war, erobert sich langsam wieder städtisches Leben. In seiner unmittelbaren Umgebung liegt der ebenfalls neu gestaltete Platz vor dem Neuen Tor am Eingang zum Charité-Gelände, dessen Torhäuser als Cafés gestaltet wurden. Nach Westen liegen die Kaiser-Wilhelm-Akademie für Militärärzte und das Invalidenhaus, genutzt und umbaut vom Ministerium für Wirtschaft und Technologie, sowie der restaurierte Invalidenfriedhof.

Der Platz ist einen Ausflug wert. Wer aus den nördlichen Stadtteilen Berlins kommt, kann bis zur Seestraße am Berlin-Spandauer-Schiffahrtskanal entlang zurückfahren. Dessen rechtes Ufer ist als Promenade ausgebaut worden, auf der auch das Radfahren erlaubt ist.

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- © gerhild komander 2/07 -