| Nr. 6, Februar 2007 |
Der Dorotheenstädtische Friedhof
Karl Friedrich Schinkel, Bert Brecht, Heiner Müller ...
von GERHILD H. M. KOMANDER
Der Campo di Verano in Rom hat Roberto Rossellini und Marcello Mastroianni, der Highgate Cemetery in London George Eliot und Karl Marx, der Cimetière du Montparnasse in Paris Jean Seberg und Charles Baudelaire, der Cimetière du Père Lachaise Edith Piaf, deren Leben – verfilmt – die Berliner Festspiele 2007 eröffnet. Der Dorotheenstädtische Friedhof hat Karl Friedrich Schinkel und Bert Brecht, Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Johann Gottlieb Fichte.
Er liegt an der Chausseestraße in Mitte, nördlich vom Oranienburger Tor, an der alten Ausfallstraße hinter einer Mauer auf einer kleinen, unregelmäßigen Fläche - der Friedhof der Dorotheenstädtischen und Friedrichswerderschen Gemeinde. Dorotheenstädtischer Friedhof wird er kurz gefasst genannt. Frank Beyer, der Regisseur, fand hier im Oktober 2006 seine letzte Ruhestätte. Johannes Rau, der Bundespräsident, erklärte seine Verbundenheit mit Berlin als Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland mit dem Wunsch, an diesem Ort bestattet zu werden. Sein Wunsch ging in Erfüllung.
Klein, aber oho! Der Friedhof, der sich in die Ecke zwischen Chausseestraße und Hannoverscher Straße drängt, beherbergt die Grabstätten Berliner Persönlichkeiten, die im 18., 19. und 20. Jahrhundert in Berlin wirkten. Der Hauptweg von der Chausseestraße führt am Friedhof der Französischen Friedrichstadtgemeinde vorbei und auf die Statue Martin Luthers zu – eine Kopie des Wittenberger Denkmals.
Große und kleine Grabsteine und Denkmäler stehen am Ort, prächtige und bescheidene.
Das Grabmal im Stil römischer Sarkophage hinter dem Luther-Denkmal entwarf Karl Friedrich Schinkel. Gottlieb Christian Cantian, der die Granitschale im Lustgarten aus dem Markgrafenstein aus den Rauenschen Bergen modellierte, liegt hier begraben. Sein Grabmal ist aus Reststücken der Schale gefertigt. Ein enger Freund und Mitstreiter Schinkel liegt schräg dahinter begraben, Peter Christian Beuth, der Begründer des Berliner Gewerbeinstituts und der Allgemeinen Bauschule, der Bauakademie. Schinkel zeichnete den Entwurf für den Grabstein des Ingenieurs.
Neben Beuth ist Louis Schwartzkopff im Familiengrab beigesetzt. Schwartzkopff profitierte von den Gründungen Beuths, baute 1852 seine erste Lokomotive in der Chausseestraße. August Borsig, der ungeduldige Schüler der Gewerbeschule und Konkurrent Schwartzkopffs, liegt am anderen Ende des Friedhofs, zur Hannoverschen Straße hin, begraben.
Schinkels Grab liegt linker Hand des Weges, der links am Cantian-Mal abzweigt, in der Birkenallee. Ihm gegenüber liegt Heiner Müller unter grünem Rasen. Architekten, Bildhauer, Literaten, Politiker, Theologen, Naturwissenschaftler und Unternehmer wurden in den Grabfeldern der Birkenallee bestattet. Die bekanntesten Namen: Johann Gottfried Schadow, Christian Daniel Rauch, Karl Bonhoeffer. Die Grabstätten liegen im letzten Winkel des Friedhofes. Das war nicht immer so.
Zwischen Invalidenstraße und Hannoverscher Straße lag seit 1726 der Charité-Friedhof. Auf dem Dreieck, das Chausseestraße und Hannoversche Straße bilden, befand sich auch der Friedhof der katholischen St.-Hedwig-Gemeinde. Das Gelände der Friedhöfe war sehr viel größer. Die Straße an der Stadtmauer entlang wurde später noch verbreitert. Da mussten die Gräber Fichtes und Hegels weichen. Berlin war nicht zimperlich im Umgang mit seinen Friedhöfen und den Grabstätten darauf – wie verdienstvoll das Wirken der Menschen auch war.
Es blieben dennoch genug Grabmäler erhalten, um die Vielfalt der Stile und Traditionen in den verschiedenen Epochen der Berliner Geschichte zu betrachten. Christliche Symbole finden sich auf den Grabstätten Schinkel, Schadows und Rauchs nicht. Friedrich Hoffmann, der Erfinder des Rindofens, ließ dagegen auf dem Grab seiner Kinder eine große Christusfigur aufstellen. Schlichte Steine erinnern an die Philosophen Fichte und Hegel, an den Künstler John Heartfield, die an den Wegen Richtung Chausseestraße begraben sind. Den Architekten Friedrich Hitzig setzte die Familie in einem Mausoleum bei.
In der Dichter- und Sozialisten-Ecke, sie liegt am ersten Querweg von der Chausseestraße aus gesehen, sind es Feldsteine, einfache Blöcke. Sie gedenken Johannes R. Becher, Anna Seghers, Bertolt Brecht, Helene Weigel, Hanns Eisler. Nur das Grab Heinrich Manns ziert eine Büste. Johannes R. Becher wünschte sich sein Vogelhaus auf die letzte Ruhestätte.
Für die Restaurierung der Friedhofsanlage und der Grabmäler setzte die Gartendenkmalpflege in den vergangenen Jahren mehrere Millionen Euro ein. An einen Eintritt oder obligatorische Führungen, wie sie auf einigen europäischen Friedhöfen üblich sind, zum Beispiel dem Highgate Cemetery in London, hat die Stadtverwaltung bisher nicht gedacht.
Führungen auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof:
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