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| Nr. 7, März 2007 | 

Karl August Fürst von Hardenberg (1750-1822)

Warum Berlin ein zweites Hardenberg-Denkmal erhält


von GERHILD H. M. KOMANDER


Vor 200 Jahren ernannte der preußische König Friedrich Wilhelm III. Karl August Fürst von Hardenberg zum Preußischen Ersten Kabinettsminister. Hardenberg war es, der dem König die Berufung, später die Entlassung, des Ministers Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein in das Staatsministerium empfahl.

Die Stein-Hardenbergschen Reformen verbinden die beiden Männer. Sie begannen – bezieht man die Versuche Steins zur Fortsetzung der Bauernbefreiung mit ein - am 9. Oktober 1807. Im kommenden Jahr – und in den darauffolgenden Jahren – werden die Stein-Hardenbergschen Reformen zu ihrem 200. Jahrestag hoffentlich mehrfach Gegenstand von Tagungen und Publikationen sein. 1808 verabschiedete Friedrich Wilhelm III. die von Stein ins Werk gesetzte preußische Städteordnung, die 1809 dazu führte, dass die männlichen Berliner Bürger erstmals Stadtverordnete wählen durften. Hardenberg setzte das Reformwerk des Reichsfreiherrn fort.


Der Kanzler und seine Bücher 

Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin widmete dem Staatsmann Hardenberg in diesem Jahr eine besondere Ausstellung: Der Kanzler und seine Bücher, kuratiert von Peter Bahl. Walter Momper, Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, und Kulturstaatssekretär André Schmitz sprachen zur Eröffnung am 19. Januar. Das ist um so bemerkenswerter, als der 250. Geburtstag Hardenbergs spurlos an der Stadt Berlin vorüber ging.

Vor drei Jahren konnte die Zentral- und Landesbibliothek den Restbestand der Hardenbergschen Bibliothek aus dem Besitz der Familie und der Stadtbibliothek Potsdam erwerben. Nach Plünderungen durch die Franzosen während der Napoleonischen Kriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts, Flucht der Familie und sowjetischem Beutezug nach dem Zweiten Weltkrieg verblieben gut 7 500 Bände, die nun die Zentral- und Landesbibliothek zusammengeführt hat und konservatorisch betreuen wird.


Hardenberg-Denkmale

Nun wird Berlin auch noch ein zweites Hardenberg-Denkmal erhalten. Das erste (vorhandene) befindet sich auf dem Hardenbergplatz, im Schutz des BVG-Häuschens nach Norden. Die Büste auf hohem Sockel, von den Menschen vor Ort nicht wahrgenommen, stiftete der Rotary Club Berlin. Das neue Denkmal wird ein altes an neuem Ort ersetzen.

Einst stand Hardenberg – in Bronze – seinem Reform-Kollegen Stein gegenüber, auf dem Dönhoffplatz – kurz vor den Spittelkolonnaden -, den es nicht mehr gibt. An diesem Platz hatte der Kanzler seinen Wohn- und Arbeitssitz: Leipziger Straße 55. 1804, als er die Leitung des preußischen Ministerium des Auswärtigen übernahm, zog Hardenberg von seiner Mietwohnung Opernplatz 39 in das Palais Hardenberg, das er bis zu seinem Tode 1822 bewohnte.

Zu Lebzeiten Hardenbergs war der Dönhoffplatz ein schlichter, unbefestigter Exerzier- und Marktplatz. Seinen Namen führte er schon. Hermann Mächtig, Stadtgartendirektor der Kaiserzeit, gestaltete den Platz 1887/88 in einen repräsentativen Stadtplatz um. Schon seit 1875 befand sich an der Leipziger Straße das Standbild des Freiherrn vom und zum Stein, geschaffen von Hermann Schievelbein und Hugo Hagen. Denn aus dem Palais Hardenberg war der Sitz des Preußischen Abgeordnetenhauses geworden, und diesem sollte das Denkmal des Reformers gegenüberstehen.

Zwei Fontänen, zur Kommandantenstraße hin – die damals noch bis zur Leipziger Straße führte – und zur Jerusalemer Straße bildeten die gestalterischen Höhepunkte der Anlage. Zwischen ihnen und dem Stein-Denkmal lagen Rasenflächen und Rabatten, auch an Spiel- und Ruheflächen hatte Mächtig gedacht.

1907 ehrte die Stadt Berlin den Fürsten Hardenberg mit einem Denkmal an der zur Krausenstraße gelegenen Seite, in der Achse zum Freiherr-vom-Stein-Denkmal. Der Bildhauer Martin Götze schuf es. Dieses Denkmal, das am 12. November 1907 enthüllt wurde, gilt seit 1949 als verschollen.

Nach einer verkleinerten Bronze aus dem Besitz von Friedrich Carl Graf von Hardenberg wird ein neues Standbild des Fürsten seinen Platz vor dem heutigen Abgeordnetenhaus (an der Stelle des Palais Mendelssohn) finden. Genau genommen vor dem Martin-Gropius-Bau in der Niederkirchnerstraße. Dort wird Hardenberg wiederum seinem Kollegen Stein gegenüber, dessen Bronzebildnis schon im Jahre 2003 hierher wanderte, dieses Mal von Angesicht zu Angesicht.

Walter Momper gründete den Verein Standbild für Berlin e.V., dessen Mitglieder das Geld für die Wiederaufstellung des Hardenberg-Denkmals sammeln. 250 000 Euro sind notwendig, heißt es in der aufwendigen Broschüre des Vereins aus dem Jahr 2007. Schon vor anderthalb Jahren gab es Meldungen von einer privaten Spende, die das Projekt finanziert haben sollte. Es muß sich dabei um einen Irrtum gehandelt haben, sonst wäre der jetzige Aufruf wohl nicht nötig.

Auch dem Freiherr vom Stein ist ein zweites Denkmal in Berlin gewidmet: an der Nikolaikirche in Spandau. Es stammt aus der Siegesallee, die einst durch den Tiergarten führte, gesäumt von Statuen brandenburgisch-preußischer Herrscher, die jeweils von zwei Figuren ihrer Zeit begleitet wurden. Zum Denkmal Friedrich Wilhelms III. gehörten als Begleitfiguren die Stauen des Feldmarschalls Blücher und des Ministers Stein. Geschaffen hatte sie 1901 Gustav Eberlein.


Leseempfehlung:

Ingo Hermann: Hardenberg. Der Reformkanzler, München: Siedler Verlag 2003. 448 Seiten. 24,90 Euro

Werner Gembruch: Freiherr vom Stein im Zeitalter der Restauration, Stuttgart: Franz Steiner Verlag 1960. 255 Seiten. 34,00 Euro

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