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| Nr. 9, Mai 2007 |  

Das Nikolaiviertel in Berlin und der Neo-Historismus in der DDR

Ein neuer Blick auf ein altes Stadtviertel


von GERHILD H. M. KOMANDER


Berliner Geschichte im Nikolaiviertel: Probststraße mit Neubauten und Blick auf die Nikolaikirche
Probststraße
Es gibt einen Forschungsstandort in Berlin, den man dem Namen nach überall, nur nicht hier vermuten möchte. Doch das Center for Metropolitan Studies (CMS) in Berlin befasst sich mit dem Innersten der Stadt. Florian Urban, Gastprofessor für Neuere Geschichte / Stadtgeschichte am CMS an der Technischen Universität Berlin, untersuchte das Nikolaiviertel und seine Bedeutung für die deutsche Hauptstadt.

Die Gäste Berlins finden die Mitte der Stadt – das, was man andernorts die Altstadt nennt -schnell, wenn man sie lässt. Die verwinkelten Gassen mit den (scheinbar) alten Bauten und deren Dimensionen nachempfundenen Häusern um die Nikolaikirche lassen ja keinen anderen Schluss zu. An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert kamen zahlreiche historische Gebäude, teilweise mit mittelalterlicher Bausubstanz, auf den Schutt. Sie mussten Neubauten weichen, die die neue Stadt, vor allem die geschäftige Stadt, repräsentierten.

1945 lagen Wohn- und Geschäftshäuser im Nikolaiviertel und die Kirche darin in Trümmern. Eindrucksvoll markierte die einsame Nikolaikirchenruine Jahrzehnte den Kern der Stadt Berlin - bis anlässlich der 750-Jahrfeier der Stadt im Jahre 1987 das Viertel buchstäblich aus Ruinen auferstand.

Berliner Geschichte im Nikolaiviertel, Probststraße
Souvenirläden
Am 14. Mai 1987 fand die Einweihung des Nikolaiviertels statt. Die neu erstandene „Altstadt“ der Hauptstadt der DDR steht beispielhaft für die Vorstellung der historischen Stadt in der sozialistischen Stadtplanung der siebziger und achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts.

Florian Urban nennt diese Rekonstruktion neo-historisch. Er promovierte im Jahr 2006 bei Harald Bodenschatz über das Thema „Die Erfindung der historischen Stadt - die gebaute Vergangenheit in Ost-Berlin 1970-1990“.

Der Architekturhistoriker betrachtet die Rekonstruktion des Platzes der Akademie / Gendarmenmarkt, die Husemannstraße am Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg, die Sophienstraße in der Spandauer Vorstadt in Mitte und stellt fest, dass sich diese Stadtviertel unmittelbar nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung, die Ost- und West-Berlin nach 38 Jahren wieder zusammenführte, zu den beliebtesten Zielen der Berlin-Gäste entwickelten.

Berliner Geschichte im Nikolaiviertel: Nikolaikirchplatz mit historischen Fassaden
Nikolaikirchplatz
Geschichtlichkeit im Stadtbild war wieder gefragt und – so Florian Urban – unterschied sich trotz ideologischer Differenzen zwischen Ost und West nicht so stark, wie vielfach angenommen wird.

Die touristische Vermarktung der „Altstadt“ setzte auch in der Hauptstadt der DDR neue Akzente. Deshalb konnten die Viertel an der Nikolaikirche und am Kollwitzplatz, der Gendarmenmarkt und die Spandauer Vorstadt die Besucherströme erobern.

„Im Gegensatz zum 50. Jahrestag der Eröffnung des Hansaviertels, der überall aufwändig gefeiert wird, erinnert niemand an dieses andere Datum“, kritisiert Florian Urban und lädt mit dem Center for Metropolitan Studies zur Buchvorstellung ein – pünktlich zum 20. Geburtstag des Nikolaiviertels am 14. Mai 2007.



Einladung zur Buchpräsentation am Montag, dem 14. Mai, 18.00 Uhr im CMS:

Florian Urban: Berlin/DDR, neohistorisch - Geschichte in Fertigbauteilen, Berlin: Gebr. Mann Verlag 2007, 29,90 Euro

Ort: Center for Metropolitan Studies an der TU Berlin, Ernst-Reuter-Platz 7,
10587 Berlin, 3. Stock. Anschließend Diskussion und Empfang.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website der TU. 

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