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| Nr. 9, Mai 2007 |

Der Behnitz in Spandau

Insel in der Havel

Von GERHILD H. M. KOMANDER

Die Stadtführung in Spandau gibt es hier ...

Dort wo heute die Straße Am Juliusturm verläuft, die von der Zitadelle zum Falkenseer Platz führt, floß in mittelalterlicher Zeit Havelwasser. Den Havelarm bauten die Bürger zu einem Flutgraben aus. Er trennte – bis 1912 - den Behnitz von der Insel Spandau. Der Behnitz war also selbst eine Insel, sein Name entwickelte sich aus dem slawischen Wort für Insel: Bens. Der Name erhielt sich in der Bezeichnung der Straße Behnitz und der Katholischen Marienkirche am Behnitz.


Die Straßen

Fachwerkhaus am BehnitzDer Behnitz, die wohl älteste Siedlung im Spandauer Raum, besitzt bis in die Gegenwart Gassen und Bauten, die mit ein wenig Phantasie frühere, sogar mittelalterliche Lebensverhältnisse ahnen lassen. Behnitz, Kolk, Möllertordamm, Hoher Steinweg: Mehr Straßen gibt es nicht. Der Name Hoher Steinweg verweist darauf, dass diese Straße gepflastert war, die anderen also nicht.

Und woher hat der Kolk seinen Namen?

Im niederdeutschen Sprachraum gibt es den Familiennamen Kolk. An den Kolkraben denkt man dabei vielleicht. Er brütet auch in Felsen. Doch Felsen sind bekanntlich rar in Spandau. Wenn Schmelzwasser oder ein Wasserfall Löcher ins Gestein arbeitet, entsteht ein Kolk, wenn Wasser in der Flusssohle Vertiefungen wühlt ebenso. In den Straßennamen spiegelt sich also das Nebeneinander slawischer und deutscher Kultur wieder.

Wohnhäuser auf dem KolkAuf dem Kolk stehen dicht beisammen Wohnhäuser aus etwa einhundert Jahren., von der Mitte des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Gärten finden sich in diesem Mauergedränge nicht. Wie es hinter der Straßenfassade aussieht, ist an der Ecke zum Hohen Steinweg zu sehen. In den Höfen stapeln sich die Nebengebäude. Jeder Quadratmeter ist ausgenutzt.

Der Möllentordamm reicht von der Havel – mit schönem Ausblick auf die Schleuse Spandau und die Zitadelle – bis zum Mühlengraben. Daher rührt ihr Name: Am Mühlengraben stand eine Mühle, nach der das Stadttor Mühlentor und die zum Tor führende Straße Mühlentordamm benannt wurden. Im Niederdeutschen wird dann Möllentordamm daraus.


Die Stadtmauer

Der Möllentordamm trifft am Graben auf den Hohen Steinweg, der seinem bemerkenswerten Namen Ehre macht und ein besonderes Bauwerk bietet:

Die Stadtmauer  vom Oranienburger Tor aus gesehenBacksteine türmen sich Meter hoch zur Stadtmauer, das heißt einem Teil von dem, was davon übrig blieb.

Die Rechte einer Stadt besaß der Behnitz nie. Die Mauerreste gehören zur Spandauer Stadtmauer, der Behnitz war Teil der Stadt Spandau. Wohl drei Jahrzehnte, seit 1319, baute die Bürgerschaft an diesem Werk, nachdem ihnen der Landesherr die Erlaubnis dazu erteilt, ihnen das Recht, eine Mauer zu bauen, verliehen hatte.

Vielleicht war es auch eine Landesherrin? Der Bau der Spandauer Stadtmauer fiel in eine unruhige Zeit.

Stadtmauer am Hohen Steinweg. Im Hintergrund die NikolaikircheAm 14. August 1319 starb Markgraf  Waldemar I. ohne einen Sohn als Nachfolger zu hinterlassen. Sein Mündel Heinrich, Sohn des Markgrafen Heinrich I. ohne Land von Brandenburg, starb schon im folgenden Jahr.

Für vier Jahre übernahm Kurfürstin Agnes von Brandenburg (geboren um 1276, gestorben 1345), Tochter des Herzogs Otto von Braunschweig-Lüneburg, unter der Vormundschaft ihres nächsten männlichen Verwandten, des Herzogs Rudolf I. von Sachsen-Wittenberg (1298–1356), die Regentschaft in der Mark Brandenburg. Hat sie den Spandauern das Recht erteilt, eine Mauer zum Schutz der Stadt zu errichten?


Die Kirche St. Marien am Behnitz

Das größte Bauwerk des Behnitz ließ König Friedrich Wilhelm IV. in den Jahren 1847 bis 1848 von Julius Manger erbauen: Die Katholische Marienkirche am Behnitz.  Nach des Königs Idee entstand sie in den Formen einer altchristlichen Basilika, also mit hohem Mittel- und niedrigen Seitenschiffen, runder Apsis sowie einem Glockenstuhl auf dem Dach.

Marienkirche am Behnitz, FassadeWarum entstand in Spandau überhaupt eine katholische Kirche?

Die Marienkirche ist nicht der erste Bau für die katholische Gemeinde. Friedrich Wilhelm I. ließ in Lüttisch Facharbeiter anwerben, die in den Gewehrfabriken der Unternehmer Johann Jacob Schickler und Gottfried Adolf Daum dringend gebraucht wurden. Die Arbeiter stellten die Bedingung, im protestantischen Brandenburg ihren katholischen Glauben ausüben zu können, und der König ließ ihnen 1722 auf dem Gewehrplan eine Fachwerkkirche errichten.

Als Prediger kamen Dominikanermönche aus Halberstadt in die junge Gemeinde. Die katholische Kirche auf dem Gewehrplan musste schon zwanzig Jahre später durch einen Neubau ersetzt werden.

Gut einhundert Jahre später entstand der steinerne Bau am Behnitz. 1848 erhielt sie die Weihe, 1892 eine aufwendige Innenausstattung, gelangte 1910 an den Militärfiskus und wurde 1944 zerstört. Seit 1952 ist St. Marien als Kirche wieder in Gebrauch. Im Jahre 2002 erwarb das Ehepaar Kißner den Bau und betrieb die Restaurierung. Seither gibt es wieder Messen und Andachten in St. Marien – und Konzerte. Gästen steht sie täglich von 14 bis 17 Uhr zum Besuch offen.

Nach der Kirchenbesichtigung haben Sie die Wahl: Links herum über die Straße Am Juliusturm zur Zitadelle zu spazieren oder geradeaus, die Straße überquerend, einen weit umfangreicheren Gang durch das alte Spandau zwischen Nikolaikirche und Bahnhof zu unternehmen. Mauer-Begeisterte können auch das Fort Hahneberg besuchen.

 

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