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| Nr. 11,  Juli 2007 |

Friedrich I. König  in  Preußen 

11. Juli 1657 – 25. Februar  1713

Eine Erinnerung an den ersten preußischen König zum 350. Geburtstag


von GERHILD H. M. KOMANDER


Die Jugendliebe: Elisabeth Henriette von Hessen-Kassel (1661-1683)

Friedrich I. Statue am Charlottenburger TorWelch eine Berliner Geschichte:
Im Alter von acht Jahren - 1665 - lernte der Knabe Friedrich, der der erste preußische König werden sollte, seine große Liebe kennen, die zweite Tochter seiner Tante Hedwig Sophie Landgräfin von Hessen-Kassel: Elisabeth Henriette. Mehrfach bezeugten die Kinder einander ihre Zuneigung, bis sie sich endlich am 3. Juni 1676 verloben durften.

Für die Hochzeit mußte erst der Frieden abgewartet werden, denn der Kurfürst hatte kein Geld. Nach dem Frieden von Nijmwegen fand die Heirat ohne große Vorbereitungen statt. Im Tagebuch des Sigismund Buch steht am 23. August 1679:

„S.K.D. lag mit der Frau Kurfürstin noch im Bette, als er ihr sagt, er sei jetzt ganz entschlossen, heut noch die Hochzeit des Kronprinzen auszurichten, was die Frau Kurfürstin sofort durch ein kleines Billet der Frau Landgräfin meldet, die sich dessen außerordentlich freut; gegen Mittag teilte man es dem ganzen Hofe mit. Am Abend fand sich S.K.D. mit allen anderen hohen Personen (...) ein, nahm die Prinzeß von Hessen an die Rechte, den Kronprinzen an die Linke, und führte beide in den kleinen Saal, wo man für gewöhnlich speist; dahin hatte man einen kleinen mit einem Teppich behangenen Tisch gestellt, und vor denselben eine Bank, um zu knieen.“


Kurprinzenresidenz in Schloss Köpenick

Köpenick, die zweitälteste Siedlung (nach Spandau) Berlins sollte Kurprinzenresidenz des ersten Königs in Preußen werden. Spätestens seit dem 9. Jahrhundert existierten hier Burganlagen auf der Insel. Jaxa von Köpenick erscheint 1157 auf Münzen. Ab 1558 ließ Kurfürst Joachim II. die Burg als Jagdschloss ausbauen.

In den Jahren 1677 bis 1681 entstand der Neubau für Kurprinz Friedrich nach Entwürfen von Rutger van Langervelt. Schloss Köpenick gilt als sein Hauptwerk. Der Bau ist auf die Ansicht vom Wasser ausgerichtet und folgt auch hierin dem Vorbild des niederländischen Barock: ein Putzbau, die Gliederung aus Sandstein. Französisch geprägt erscheinen das Mansarddach und die umlaufende Balustrade. 1682 errichtete Johann Arnold Nering den Portalbau an der Schlossbrücke.

1682 begann der Bau der Schlosskirche für den reformierten Hof. Sie stand ab 1688 auch den Hugenotten offen. Die Schlosskirche Köpenick ist als einziges Bauwerk Nerings unverändert erhalten. Über der Kanzel erinnert eine Porträtbüste an Elisabeth Henriette. Ob der Bildhauer Johann Michael Döbel sie schuf, ist nicht sicher.

Das junge Paar lebte vier glückliche Jahre im Schloß Köpenick, wo am 29. September 1680 die Tochter Louise Dorothea Sophie geboren wurde. Benannt nach drei Großmüttern: Louise Henriette, der Mutter Friedrichs, Dorothea, nach der Stiefmutter Friedrichs, Sophie nach der Mutter Elisabeth Henriettes. Louise Dorothea Sophie starb kurz nach ihrer Heirat mit 25 Jahren – im selben Jahr wie die spätere erste Königin Preußens Sophie Charlotte. Die Mutter hat sie kaum gekannt, denn Elisabeth Henriette erkrankte an den Windpocken und starb am 7. Juli 1683.

1684 heiratete Kurprinz Friedrich in zweiter Ehe die elf Jahre jüngere Sophie Charlotte von Braunschweig-Lüneburg (1668 - 1705), deren Vater Ernst August später Kurfürst und deren Bruder über das mütterliche Erbe König von Großbritannien wurde. Die Mutter Sophie war eine unmittelbare Nachfahrin Maria Stuarts in der weiblichen Linie. In England, Schottland und später in Großbritannien waren Frauen – anders als in Preußen – berechtigt, einen Thron zu erben.
Sophie Charlotte brachte nach am 14. August 1688 den ersehnten männlichen Thronerben zur Welt: Friedrich Wilhelm, benannt nach dem Großvater, der im Mai desselben Jahres verstorben war. Der Prinz blieb das einzige Kind des Paares.


Fürstliche Regierung

Wenn auch die zweite Heirat des Kurprinzen mit Sophie Charlotte von Braunschweig-Lüneburg 1684 mit einiger Pracht vonstatten ging, hatte Friedrich viel Sparsamkeit im väterlichen Haus kennengelernt. Hierin gab es mit seinem Regierungsantritt 1688 keine Fortsetzung. Schon die Aufwendungen für das Begräbnis des Vaters weisen in die Zukunft. Das „Leichenbegängnis“ des Großen Kurfürsten, das in Teilen in der Gruft des Berliner Doms zu sehen ist, bezeugt das. 87 Kupferstiche nach Zeichnungen von Constantin Friedrich Blesendorff umfasst das Werk.

Dennoch vollzog sich der Übergang von der Regierung Friedrich Wilhelms zu der seines Sohnes ohne Bruch, sowohl in der Außenpolitik als auch in Wirtschaft und Kultur. Friedrich III. setzte die Peuplierungpolitik seines Vaters energisch fort. 1689 wurden 7 000 reformierte Pfälzer in Brandenburg angesiedelt. 1690 folgten fast 2 000 Schweizer nach Lehnin, Potsdam, Lindow und Ruppin.

1692 gründeten in Cottbus zwei Mannheimer Unternehmer eine Tabakfabrik, die 1701 durch Zuwanderung französischer Emigranten beträchtlichen Aufschwung nahm. 1695 nahm in Neustadt an der Dosse im heutigen Ortsteil Spiegelberg Jean Henri de Moor eine der ersten Manufakturen außerhalb Berlins in Betrieb: Eine Spiegelmanufaktur, die nicht nur die Schlösser Friedrichs III. belieferte. 18 französische Meister waren dort mit 120 Arbeiter tätig.

Seit 1689 hatte Friedrich intensiv an einer Modernisierung der staatlichen Verwaltung gearbeitet und die Domäneneinkünfte um 84 Prozent erhöht. Auch die Belastungen für Bürger und Bauern erhöhte er, um die Krönung und alles damit Zusammenhängende – nicht zuletzt die Teilnahme am Spanischen Erbfolgekrieg - zu finanzieren. Er setzte den Staat „einer schweren Überlast“ aus, mußte ihn dem aussetzen, wie Wolfgang Neugebauer im Katalog von 2001 schreibt, um das Konglomerat der brandenburgisch-preußischen Lande zu einer Einheit zu fügen.
„Aber das finanzielle Gesamtergebnis sah so schlecht nicht aus: Von einer finanziellen Mißwirtschaft könne, wie Wolfgang Reinhardt jüngst für Preußen im europäischen Vergleich festgestellt hat, keine Rede sein. Die Verwaltung war unter Friedrich I. sehr wohl in der Lage, die Staatseinnahmen signifikant zu steigern. Und so hat denn auch der neue König im Frühjahr 1713 sehr bald sich davon überzeugen lassen, dass die Bilanz seines oft mißverstandenen Vaters keine schlechte gewesen ist.“


Bildung, Wissenschaft und Künste

Von weitreichender und langanhaltender Wirkung war die Gründung der Universität Halle 1694. Die religiöse Toleranz Friedrichs bot gerade gelehrten Vertretern des Pietismus, die von dem erstarrenden Luthertum verfolgt und bekämpft wurden, einen neuen Wirkungskreis. Als die herausragendsten Persönlichkeiten der neuen Universität gelten Christian Thomasius, August Hermann Francke, Christian Wolff und Philipp Jakob Spener, der schon 1691 Probst an der Nikolaikirche zu Berlin geworden war.

Thomasius hatte den unmittelbaren Anstoß zur Gründung der neuen Universität gegeben. Er fand in Halle sein Forum, für die Freiheit des Geistes zu kämpfen. Der Hallesche Pietismus fand wie andere tolerante Glaubensrichtungen viele Anhänger im brandenburgisch-preußischen Adel und rief früh den Geist sozialer Verantwortung in der Bevölkerung wach. Er war die erste geistige Bewegung im protestantischen Deutschland, der alle Bevölkerungsschichten erreichte, und gab den brandenburgsich-preußischen Untertanen die Möglichkeit einer an den Staat gebundenen Identifikation.

Am 1. Juli 1696 rief Friedrich die Akademie der Künste als eine „Kunstuniversität“ ins Leben. Es war die erste Institution dieser Art in Deutschland. Aufgrund theoretischer Untersuchungen sollte die Kunst systematisch gefördert werden. Die aufgestellten Regeln des Geschmacks sollten dem ganzen Land und dem Hof als Richtlinien dienen.

Am 11. Juli 1700 wurde auf Initiative des Universalgelehrten Leibniz und der Kurfürstin Sophie Charlotte die Societät der Wissenschaften gegründet. Berlin war hier die dritte Stadt Europas! Die Societät trug dazu bei, dass Berlin sich zu einem Mittelpunkt der Frühaufklärung in Deutschland entwickelte, und war Teil der Residenzausstattung, die die Hauptstadt Brandenburg-Preußens mit denjenigen Europas konkurrenzfähig machen sollte. Auf Wunsch des Kurfürsten wurde im Stiftungsbrief bestimmt, daß sich die Societät um die Erhaltung der deutschen Sprache „in ihrer anständigen Reinheit“ kümmern sollte.

Die Akademie der Künste brachte Friedrich im Obergeschoß des neu errichteten Marstalls Unter den Linden unter. Für die Societät der Wissenschaften ließ er das Gebäude 1711 auf dem rückwärtigen Garten erweitern und mit einer Sternwarte ausstatten. Das Marstallgebäude hatte Johann Arnold Nering 1687/88 erbaut. Zehn Jahre später erhielt es ein zweites Geschoß
Auf dem Grundstück steht heute die Staatsbibliothek zu Berlin. Für deren Bau wurde das barocke Gebäude abgerissen.


Die preußische Königskrönung

Das für Friedrich III. selbst und für die außenpolitische Wirkung Brandenburgs in der Zukunft entscheidende Ereignis der Regierungszeit dieses Kurfürsten war die Krönung zum König in Preußen.
Die Eigenkrönungen Karls XII. von Schweden 1697 und Friedrichs IV. von Dänemark 1699 sowie der Aufstieg Augusts des Starken zum König von Polen, des oranischen Prinzen Wilhelm III. zum König von England und seines Schwagers Georg zum Kurfürsten von Hannover ließen sein Begehren berechtigt erscheinen. Die zunächst ablehnende Haltung Kaiser Leopolds konnte gegen das Versprechen, mit 8 000 Mann am Spanischen Erbfolgekrieg teilzunehmen und das Haus Habsburg bei der Kaiserwahl zu unterstützen, in eine Zustimmung gewandelt werden.

Am 18. Januar 1701 setzte sich Kurfürst Friedrich in der Schloßkirche von Königsberg eigenhändig die Krone aufs Haupt. Die Krönung hatte letztlich eine starke integrative Kraft für die weitverstreuten brandenburgischen Länder. Brandenburger, Lausitzer, Pommern, Magdeburger und Westfalen wurden zu „Preußen“. Die Krönung war zweifellos ein der Weltlage und der Mächtegruppierung abgerungener diplomatischer Erfolg und mehr als die Befriedigung persönlicher Eitelkeiten. Sie war die Konsequenz aus der Entscheidung von 1525, als der Ordenshochmeister Albrecht von Brandenburg den Ordensstaat Preußen säkularisierte und in ein Herzogtum wandelte. Die Krönung Friedrichs III. in Königsberg war die Vollendung durch das Kurhaus Brandenburg. Der König in Preußen wurde bald der mächtigste Fürst nach dem habsburgischen Kaiser im Reich.


Schlösser für ein Königreich

Ein Königreich verlangt nach Repräsentation, umsomehr wenn es eben erst entstanden ist. Die Architektur repräsentiert den Herrscher.Durch die Architekten Andreas Schlüter und Johann Friedrich Nilsson Eosander Freiherr von Göthe erhielt das junge Königtum seine repräsentative Form. 1698 und 1706 ließ Friedrich I. das Berliner Schloss unter Leitung und mit Plänen Schlüters zu einer der großartigsten barocken Schloßanlagen Deutschlands umbauen. Von 1706 bis 1713 verdoppelte Eosander von Göthe den Bau. Die gleichzeitig nach Schlüters Entwurf ausgestalteten Wohn- und Prunkräume gehören zu den herausragenden Schöpfungen barocker Innendekoration der Zeit.

Waren die Anfänge Friedrichs und Sophie Charlottes in Köpenick, der Prinzenwohnung, und in Charlottenburg bescheiden gewesen, verlangte man bald nach Größerem. In Berlin, Charlottenburg (Lietzenburg) und Potsdam entstanden zeitgemäße königliche Residenzen.
1691 hatte Friedrich das Schloß Schönhausen erworben, das ebenso wie das Schloß in Königsberg umgebaut und kostbar ausgestattet wurde. Von der Spree ließ er einen Graben zur Panke hin anlegen, den Schönhauser Graben, um das Schloß von Charlottenburg aus mit dem Schiff erreichen zu können. 1708 kam durch Kauf Altlandsberg hinzu, wo einst Otto von Schwerin, Berater Friedrich Wilhelms und Louise Henriettes, gelebt hatte. Es war bis 1712 Nebenresidenz des Königs. Die Schlösser in Caputh und Oranienburg ließ der König ebenfalls erneuern.

Der größte noch erhaltener Bau aus der Zeit Friedrichs I., das Zeughaus, das heute das Deutsche Historische Museum beherbergt, begann Nering 1695. Martin Grünberg und Schlüter (1698-99) führten es weiter. Jean de Bodt vollendete ihn 1706. Der Figurenschmuck ist eindeutig: Der Ruhm des Königreiches wird in die Welt posaunt.


Königliches Ende

Am 1. Februar 1705 starb der „Glanz des Hauses Hohenzollern“.
Sophie Charlotte war auf der Reise zu ihrer Mutter nach Hannover erkrankt, verstarb dort und wurde mit beeindruckendem Zeremoniell nach Berlin überführt, für Wochen im Dom aufgebahrt und erst im Juni des Jahres an ihre letzte Ruhestätte gebracht. Entgegen der Meinung, das französische Zeremoniell sei unter Friedrich I. das vorherrschende geworden, zeigt das Staatszeremoniell seiner Regierungszeit Anleihen aus dem kaiserlich-habsburgischen.

Der zeremonielle Aufwand anläßlich des Todes Sophie Charlottes entsprach dem einer Königin in Europa. Die Trauerfeierlichkeiten für die Gemahlin widerspiegeln die Prätention Friedrichs I., als Gleicher unter Gleichen zu gelten. Unter seiner Regierung befand sich der Absolutismus in Brandenburg-Preußen auf dem Höhepunkt, wie in der Folge der Königskrönung der Schloßbau in Berlin und die Erweiterung des Hofstaates zeigen.
Kaum bekannt ist, daß der König 1708 ein drittes Mal heiratete. Aus dynastischen Gründen verband er sich mit der 23jährigen Sophie Louise von Mecklenburg-Schwerin (1685-1735).

An die junge Frau, die zweite Königin in Preußen erinnert die Sophienkirche in der Großen Hamburger Straße. Sophie, eine Tochter aus gutem Hause, aber den Intrigen am Hofe nicht gewachsen, pflegte den König, war gefügig, flüchtete letztlich – wie viele andere Frauen – in die Religion. Sie weilte schon nicht mehr am Sterbebett des Königs. Friedrich I. starb am 25. Februar 1713. Sein Nachfolger Friedrich Wilhelm I. schickte die Königin zurück nach Mecklenburg

Berlin war unter Friedrich I. zum alles überragenden Wirtschaftszentrum Brandenburgs geworden. Von 6,2 Millionen Talern Steuereinnahmen der Kurmark zwischen 1693 und 1712 entfielen 42 Prozent auf Berlin. Für die historische Beurteilung des ersten Königs in Preußen wurde über zwei Jahrhunderte die Kritik seines Enkels zugrunde gelegt: „Er war groß im Kleinen und klein im Großen“. Und gern ignorierte man, daß Friedrich II. sein Urteil später revidierte. Als 1901 auf Initiative Kaiser Wilhelms II. das runde Jubiläum der preußischen Königskrönung erstmals mit großer Pracht gefeiert wurde, feierte man die Krone, nicht aber Friedrich.

Im Sommer 2007 laufen die Planungen zum 300. Geburtstag Friedrichs II. im Jahre 2012 auf Hochtouren. Friedrich I. ist vergessen.


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