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| Nr. 11, Juli 2007 | 


Berlin im Juli 1927

Groß-Berliner Tagebuch 1920 - 1933 von Friedrich C. A. Lange 

Berliner Geschichte im Rückblick

   
 1. Juli Max Liebermann ist durch Beschluss der städtischen Körperschaften das Ehrenbürgerrecht verliehen worden.
   
 6. Juli Die alte Forderung Berlins, durch Weiterführung der Joachimstaler Straße vom Zoo nach dem Tiergarten eine Verbindung mit dem Hansaviertel und Moabit herzustellen, hat das Finanzministerium leider abgelehnt.
   
 12. Juli

Die seit einiger Zeit herumgeisternde Idee einer Berliner Weltausstellung hat die beteiligten Verwaltungen zu einer großzügigen Erweiterung und verkehrlichen Erschließung des Messegeländes veranlasst.

Gefordert werden 5 Mill. RM. für den Ankauf der beiden Autohallen in Witzleben und 440 000 RM. für den Ankauf forstfiskalischen Geländes in Eichkamp und an der Nordschleife der Avus, Hergabe von 7 ha des Ritterguts Düppel an die Versuchsanstalt für Handfeuerwaffen, 2 Mill. RM. an die Reichsbahn für Verlegung der Strecke Charlottenburg-Heerstraße u.a. - insgesamt etwa 14 Mill. RM.

Die Stadtverordneten haben der Vorlage zugestimmt trotz der bereits schwebenden großen Projekte, und obwohl durch die Vorlage erst die Basis für Bebauungskosten in mindestens derselben Höhe geschaffen wird.

   
 21. Juli

Die gesellschaftlichen Empfänge der Stadt finden in dem viel zu geräumigen Festsaal des Rathauses statt. Im Hintergrunde an der Schmalseite das große Gemälde Anton v. Werners „Bismarck auf dem Wiener Kongress“.

Man speist an runden Tischen, wo jeweils ein Mitglied des Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung die Honneurs machen. Meist legen wir unseren Gästen ein Berliner Andenken wie den künstlerisch ausgestatteten Berliner Kalender des Rembrandt-Verlages oder Wanderungen durch Alt-Berlin u.a. neben das Couvert.

Das Kulinarische wird von Falkenberg regiert, dem langjährigen Ratskellerwirt, der zum Abschluss des Menus feierlich wie ein Majordomo an der Spitze seiner leuchtende Eisbomben tragenden Kellnerkavalkade in den Saal schreitet.

Otto Kermbach, schon früher Hausdirigent im Neuköllner Rathause, konzertiert mit seiner Kapelle und vergisst nie, unsern Gästen die elementare Wucht des „Rixdorfer“ vorzuführen.

   
 23. Juli

Die Gewinn- und Verlustrechnung der Bewag für das Geschäftsjahr 1926 weist interessante Zahlen auf. Die Bewag hat nicht nur eine Abgabe von 9 Mill. RM. und eine Sonderabführung von 6,5 Mill. RM. an die Stadt geleistet, sondern neben den ordentlichen Abschreibungen in Höhe von 10,5 Mill. RM. noch eine besondere Rücklage für Werkerhal-tung gebildet.

Dazu ein Reingewinn von 1,9 Mill. RM., der bei der notorischen Bilanzverschleierungstaktik der Direktoren städtischer Gesellschaften sicher viel zu niedrig bemessen ist. Von unsern Aufsichtsratsmitgliedern dürfte der größte Teil seiner Aufgabe nicht gewachsen sein. 

   
 

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 - © gerhild komander 7/07 -