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| Nr. 12, August 2007 | 


Berlin im August 1961

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen 

Berliner Geschichte im Rückblick

   
  Frech kommt weiter: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen“, sagt Walter Ulbricht, Vorsitzender des Staatsrats der DDR, am 15. Juni 1961 auf einer Pressekonferenz in Ost-Berlin. Im Juli 1961 fliehen 30 145 Menschen aus der DDR. Es war die höchste Zahl an Flüchtlingen seit Juni 1953.
   
2. August Innerhalb von 24 Stunden kommen 1 322 Flüchtlinge aus der DDR im Notaufnahmelager Marienfelde in Berlin an. Die Zahlen steigen in den folgenden Tagen an.
   
12. August

Die Volkspolizei erhält Befehle von Erich Honecker, die Grenze zwischen Ost- und West-Berlin abzuriegeln. 3 150 Soldaten der Nationalen Volksarmee, ausgestattet mit Kampfpanzern und Schützenpanzer-wagen nehmen den Magerviehhof in Friedrichsfelde als Gefechtsstand in Besitz, um die Grenzarbeiten zu bewachen. 

   
13. August

In den frühen Morgenstunden beginnen Soldaten und Bauarbeiter, die Straßen, die im Grenzbereich beider Stadthälften liegen, aufzureißen. Der Straßenverkehr wird damit lahmgelegt. Aus dem Straßenbelag und Stacheldraht errichten die Arbeiter Barrikaden. Die Bürgerschaft wird von tausenden Volkspolizisten sowie ostdeutschen und sowjetischen Soldaten in Schach gehalten. Der Bau der Berliner Mauer hat begonnen.

   
16. August

Bundeskanzler Konrad Adenauer verspricht dem sowjetischen Botschafter Smirnow, die Bundesregierung werde nichts unternehmen, was die Beziehungen zur UdSSR erschweren könne. Vor dem Schöneberger Rathaus demonstrieren 300 000 Menschen gegen die Tatenlosigkeit. Bürgermeister Willy Brandt ruft die Verantwortlichen in Ost-Berlin auf, Menschlichkeit zu bewahren und nicht auf Landsleute zu schießen.

   
17. August Die in West-Berlin lebenden Schriftsteller Günter Grass und Wolfdietrich Schnurre protestieren in einem offenen Brief gegen den Mauerbau. Der Ost-Berliner Schriftsteller Stephan Hermlin rechtfertigt die Maßnahmen seiner Regierung als notwendig, um „den gefährlichsten Staat der Welt“, die Bundesrepublik Deutschland, in ihrem Tun aufzuhalten. 
   
21. August  Im Grenzverlauf stehende Häuser werden zugemauert, die BewohnerInnen zwangsweise evakuiert: Wohnhäuser werden Teil der Berliner Mauer, des „antifaschistischen Schutzwalls“. 
   
22. August  Ida Siekmann, Bewohnerin eines Hauses in der vermauerten Bernauer Straße, springt aus dem dritten Stock des Hauses und verletzt sich tödlich. Die - noch - in der Bernauer Straße stehende Versöhnungskirche wird ebenfalls zugemauert.
   
24. August  Im Humboldthafen wird der 24 Jahre alte Günter Litfin von NVA-Soldaten auf der Flucht nach West-Berlin erschossen. Er ist der erste von etwa 1 000 Menschen, die zum Schutz des „sozialistischen Vaterlandes“ auf Befehl der DDR-Regierung an der innerdeutschen Grenze vor und nach dem Bau der Mauer getötet werden.
   
  Bis heute hat kein ehemaliges Mitglied der DDR-Regierung die Verantwortung für den Tod dieser Menschen übernommen.
   
  Die Chronik des Mauerbaus, mit ausführlichen Erläuterungen und Dokumenten, finden Sie auf www.Chronik-der-mauer.de.
   
 

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