| Nr. 1, September 2006 |
Unter dem Admiralspalast sprudelt immer noch eine Quelle
Wo die Schönen und Reichen planschten
Von BERND OERTWIG
Seit dem 11. August dieses Jahres wird eines der traditionsreichsten Berliner Theaterhäuser wieder bespielt: Der Admiralspalast in der Friedrichstraße. 15 Millionen Euro hat der Umbau bisher gekostet. Investor Frank Walter will auch das Admiralsbad wieder eröffnen – mit der hauseigenen Solequelle. Die sprudelte schon einmal, war Bestandteil des Admiralsgartenbades, 1873 als repräsentative Badeanstalt von den Architekten Walter Kylmann und Adolf Heyden erbaut. 1887 wurde die Quelle entdeckt – in 234 Metern Tiefe.
Im Bad im 4. Stock planschten die Reichen und Schönen. Um 1890 wurde das Bad erweitert. Für Damen und Herren stand jeweils eine getrennte Schwimmhalle zur Verfügung. Im Damenbad war ein etwa sechs Meter langes, ovales Becken eingelassen. Darüber wölbte sich eine sieben Meter hohe Kuppel. 1910 wurde das Haus an der Friedrichstraße gebaut. Mit Restaurants, Cafés, Kegelbahnen. Und es bekam einen neuen Namen: Admiralspalast. Jetzt war es Tag und Nacht geöffnet. Hier schwitzten die Großstädter ihren Champagner-Rausch aus, hier stiegen Reisende in die Wannen, wenn sie kein Hotel mehr fanden, wie es Joseph Roth beschrieb.
Rund zehn Jahre später: Ein neues Konzept. Der Admiralspalast wurde zum Revuetheater. 1939 zog auch das Metropoltheater aus der Behrenstraße ein. Nach dem Krieg wurde der Palast schließlich zum Metropol-Theater – bis auch das 1997 geschlossen wurde. Jetzt die Auferstehung. Sogar die Bäder könnten wieder eingerichtet werden. All die funkelnden goldenen und blauen, roten und
grünen Wandmosaike, die vielen verspielten Fresken und Medaillons sind erhalten. Sie lagern in 47 Kisten verpackt im Landesdenkmalamt. Selbst die Solequelle sprudelt noch.
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- © bernd oertwig 9/06 -