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| Nr. 16, Dezember 2007 |

Vom „Zukunftswillen dieser Stadt“

Das Hansaviertel in frühen Photographien

Frank-Manuel Peter nennt es ein „Privileg, seit Geburt (vier Wochen nach Bezugsfertigkeit der Wohnung) im Hansaviertel leben zu dürfen. Er besuchte die Hansa-Grundschule, viel später begann er, Ansichten des Hansaviertels zu sammeln, forschte danach. Als Mitglied des Bürgervereins Hansaviertel initiierte und kuratierte er die Ausstellung „50 Jahre Interbau 1957-2007“, die den U-Bahnhof Hansaplatz für Monate in ein Museum verwandelte. Das vorliegende Buch erschien als Katalog zur Ausstellung.

Anders als die Architekturführer, die das fertige Gebäude in den Mittelpunkt stellen, zeigt Frank-Manuel Peter Bilder aus der Entstehungszeit des Hansaviertels, Photographien der Jahre 1955 bis 1960. Den „Zukunftswillen dieser Stadt“ sah Otto Suhr, Regierender Bürgermeister von Berlin, im neuen Hansaviertel, als er 1957 zur Eröffnung der Internationalen Bauausstellung sprach. Das waren sogar die Bäume im Tiergarten schon etwas nachgewachsen und versprachen Zukunft für Berlin.

Peter gibt eine Einführung in die Geschichte des Hansaviertels: Kurz und knapp, gut lesbar, positiv gestimmt. Als sei er dabei gewesen, begeistert er sich für die neuen Wohnhäuser, für die ein großes innerstädtisches Areal komplett umgestaltet wurde, deren Musterwohnungen die Architekten von Alvar Aalto bis Max Taut selbst einrichteten. Bilder von Zerstörung und Tiefenenttrümmerung, die Gleichzeitigkeit von Abbruchhäusern und Neubau-Skeletten faszinieren.

Die Photographien rufen schnell die heutige Situation und ihre kritischen Momente ins Gedächtnis: vor allem das teils ungepflegte, überwundernde Grün und das verbaute Ladenzentrum. Diese strenge Architektur braucht Luft, die meisten Menschen wünschen sich üppiges Grün in der nächsten Umgebung, die Planung sah vor, dass der Tiergarten sich in das Wohnviertel hineindränge. Dass international bekannte GartenarchitektInnen die Grünflächen gestalteten, ist kaum noch erlebbar. Hier wehrt Peter die „puristischen Architekturliebhaber“ energisch ab: Wohnwert kommt vor Ästhetik. - Gerhild H. M. Komander -

Frank-Manuel Peter: Das Berliner Hansaviertel und die Interbau 1957, Erfurt: Sutton Verlag 2007. 96 Seiten, 17,90 Euro

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| Nr. 16, Dezember 2007 |

„Irrenanstalt“, „Arme-Leute-Heim“ und „Lazarett“

Die Krankenhausstadt Berlin-Buch


Die „Krankenhausstadt Buch“ entstand in den Jahren 1899 bis 1929 nach Plänen des Berliner Stadtbaurats Ludwig Hoffmann. Eine Krankenhausstadt im Grünen entwarf der Architekt. Sie bestand aus der „III. Irrenanstalt“ (1900-1906) in der Karower Straße 11, der „Heimstätte“ (1900-1905), Alt-Buch 74, dem „Alte-Leute-Heim“ (1905-1908) in der Zepernicker Straße 1, dem „Lazarett“ (1909-1914) in der Wiltbergstraße 50 und der „Heilstätte für Lungen- und Kehlkopfkranke“ (1914-16 und 1927-29) in der Hobrechtsfelder Chaussee 150. Hinzu kam das „Werk Buch“ (1903-1912), eine gemeinsame Zentrale für Beleuchtung, Heizung und Wasserversorgung, Am Stenen Berg.

Die Geschichte dieser städtischen Wohlfahrtsanstalten zu schreiben, war ein besonders mühsames Unternehmen, denn die Quellenlage ist im Vergleich zu anderen Berliner Krankenhäusern sehr schlecht. Nur ein geringer Teil der Akten blieb im Landesarchiv Berlin erhalten. Die Autoren legen die zweite Auflage ihres 1996 unter dem Titel „Zur Geschichte der Krankenanstalten in Berlin-Buch“ (Edition Hentrich) in überarbeiteter Fassung vor. Zuerst galt es hier, die Veränderungen in den Jahren 1990 bis 2005 darzustellen.

Eine knappe Übersicht der städtischen Krankenhausgeschichte und die Geschichte des Bauplatzes Buch führt in das Thema ein. Der Schwerfälligkeit der Berliner Stadtverwaltung in hygienischen Angelegenheiten, von den zahlreichen staatlichen, kirchlichen und privaten Wohlfahrtseinrichtungen. Die Geschichte des Ortes Buch als bedeutendem Platz brandenburgischer Frühgeschichte wird gestreift. Der Stadthistoriker Albert Kiekebusch konnte eine ganze bronzezeitliche Siedlung erforschen. Auf dem Terrain entstand später das Waldhaus.

Des Architekten gedenken die Autoren mit großer Bewunderung. Ludwig Hoffmann (1852 – 1932) war am 1. April 1896 zum Stadtbaurat gewählt worden. Er reorganisierte die städtische Bauverwaltung, gliederte das Entwurfsbüro in acht Abteilungen und arbeitete mit dreihundert ausgesuchten Mitarbeitern. Stets betonte Hoffmann die kollektive Leistung bei der Baudurchführung und wirkte eng mit den Medizinern zusammen. Als er 1932 starb, hatte Martin Wagner in Gemeinschaft mit Bruno Taut den Berliner Wohnungsbau revolutioniert, ein Gebiet, auf dem Hoffmann nie tätig werden konnte. Die Stadtverordnetenversammlung ehrte ihren Stadtbaurat mit der Benennung des Alte-Leute-Heims als Ludwig-Hoffmann-Krankenhaus.

Die Autoren Wolff und Kalinich gliedern das umfangreiche Material chronologisch in fünf Kapitel: Die Zeit bis 1933, Nationalsozialismus, 1946-1962, 1963 bis 1989, 1990 bis 2005. Ein Abschnitt über das Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung, in dem Cécile und Oskar Vogt tätig waren, und ein weiterer über Institute und Krankenhäuser außerhalb des Klinikums während des Bestehens der DDR werden eingeschoben.

Eine zusammenfassende Darstellung gibt es nicht. Zeittafeln am Ende des Buches stellen die allgemeine Geschichte der Krankenhausstadt Buch und die Chronik der einzelnen Häuser dar. Dabei werden wie im Personenverzeichnis auch nicht geläufige Abkürzungen nicht aufgelöst.

Die einzelnen Kapitel sind lang und beinhalten trotz den großen Verlusten an Quellen große Mengen an Fakten, werden aber dennoch nicht untergliedert. Die Lesenden müssen sich regelrecht durch die Materialfülle kämpfen und verlieren dabei schnell den Überblick. Name an Name reiht sich, sowohl der Personen, vornehmlich des nicht überschaubaren medizinischen Personals, als auch der zahlreichen Häuser. Über die Forschungstätigkeit der Ärzte und Ärztinnen ist über die Titel der Veröffentlichungen hinaus nichts zu erfahren. Da bleibt zu wünschen, dass hier andere Autoren tätig werden und die Bedeutung Buchs als Forschungsstandort klären. - Gerhild H. M. Komander -

Horst-Peter Wolff und Arno Kalinich: Zur Geschichte der Krankenhausstadt Buch,  Frankfurt a. M.: Mabuse-Verlag 2007, 377 Seiten, 29,90 Euro

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| Nr. 13, September 2007 |

Die Kirchenruine des Grauen Klosters in Berlin

Neueste Forschungsergebnisse über das älteste Gebäude Berlins


Seit dem Jahr 1249 ist eine Ansiedlung der Franziskaner in Berlin nachweisbar. Wohl im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts errichteten die Mönche in den grauen Kutten die Franziskanerklosterkirche in der Klosterstraße.

Historische Ansichten der Berliner Architektur haben einen besonderen und traurigen Reiz, weil sie in zu vielen Fällen zerstörte Kleinode und Marksteine der brandenburgischen Architekturgeschichte zeigen. Im Falle der Franziskanerklosterkirche, deren Ruine in der Klosterstraße von Touristenströmen unentdeckt bleibt, weil die Autobahn ähnlich ausgebaute Grunerstraße das alte Zentrum der Stadt zerschneidet, staunen die Betrachtenden über die Fülle dessen, was Bildern und Quellen noch vorhanden ist.

Dass die Klosterkirche die Reformation überstand, verdankt sie wohl dem kurfürstlichen Lehnssekretär Joachim Steinbrecher. Er förderte das im Kloster begründete Gymnasium zum Grauen Kloster und den Erhalt der Kirche, letzteren mit dem Argument, dass sich zahlreiche Grabstätten bedeutender Persönlichkeiten in der Kirche befanden. Seit der Zeit, in der die Askanier als Markgrafen Brandenburgs auftraten, gab es repräsentative Grabstätten der landesherrlichen Familie, des brandenburgischen Adels und der Berliner Bürgerfamilien in der Klosterkirche.

Der im Verlag Michael Imhof erschienene 23. Band der Reihe „Beiträge zur Denkmalpflege in Brandenburg“, herausgegeben vom Landesdenkmalamt Berlin, beinhaltet die Forschungsergebnisse der jüngsten Zeit. Darin stellt der Historiker Winfried Schich die Ausgangssituation der franziskanischen Ansiedlungen östlich der Elbe dar, führt der Kunsthistoriker Ernst Badstübner in das Thema Kirchen der Bettelorden ein, bevor die Denkmalpflegerin Petra Marx die Geschichte der bauhistorischen Forschung zur Franziskanerklosterkirche erläutert.

Über vier Seiten beschreibt eine Zeittafel die Bau- und Restaurierungsphasen der Kirche bis 1945. Fest steht, dass die Franziskanerklosterkirche im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts – also etwa ein Jahrhundert nach der Besiedlung der Spreeufer durch deutsche Kaufleute – eine dreischiffige Basilika in Backstein am Ort der Ruine errichteten. Ob zuvor eine Feldsteinkirche – wie häufig in Brandenburg anzutreffen – existierte, diskutieren Stefan Breitling, Petra Marx, Uwe Michas und Dirk Schumann in ihren Beiträgen zu weiteren Themen.

Andreas Cante beschreibt die Franziskanerklosterkirche als Gedächtnisort Berliner Geschichte und stellt einen Katalog der an und in der Kirche befindlichen Grabdenkmäler vor. Laien brauchen viel Phantasie und einiges Wissen, um aus dem jetzigen, fragmentarischen Zustand der Epitaphien Details zu lesen. Kriegszerstörung und Verwitterung in den Nachkriegsjahren haben viele Kunstwerke fast unkenntlich gemacht. Die historischen Aufnahmen in diesem Aufsatz beantworten viele Fragen.

Wieviel Mühe sich frühere Generationen machten, die mittelalterlichen Architektur- und Kunstwerke zu erhalten, verdeutlicht beispielhaft eine aquarellierte Zeichnung Karl Friedrich Schinkels. Sie zeigt den Entwurf für ein Grabmal Kurfürst Ludwigs des Römers, der 1356 starb. Schinkel kannte vergleichbare zeitgenössische Werke und entwarf eine bronzene Schrifttafel, die auf vier Löwenstatuetten ruht. Kronprinz Friedrich Wilhelm (IV.) wird als Urheber vermutet. Vielleicht bewog ihn die Herkunft seiner Frau, Elisabeth Prinzessin von Bayern, den Wittelsbacher Ludwig so herausragend zu ehren. Leider kam Schinkels Entwurf nicht zur Ausführung.

Überraschungen hält Birgit Neumann-Dietzsch in ihrem Bericht zur Ausmalung der Franziskanerklosterkirche bereit. Aufzeichnungen und Zeichnungen des Bauhistorikers Ferdinand von Quast belegen, dass 1842 – als eine umfassende Instandsetzung der Kirche begann – noch zahlreiche mittelalterliche Malereien im Innern vorhanden waren. Quast durfte die Arbeiten nicht lange begleiten, leider, aber sein Wissen um diese Wand- und Deckenbilder blieb die Grundlage für die Restaurierungen im 19. Jahrhundert. Das Buch bildet zahlreiche der Zeichnungen ab.

Viel Aufmerksamkeit widmet der Band den baugeschichtlichen Forschungen. Stefan Breitling trägt deren jüngste Ergebnisse zusammen. Dirk Schumann betrachtet die Franziskanerklosterkirche im Zusammenhang mit der repräsentativen askanischen Architektur. Er stellt ähnliche Bauten wie die später erbaute Kirche in Stettin / Szczecin vor, zeichnet Querschnitte von Langhauspfeilern, Gewändeprofilen und Konsolkapitellen vergleichend nach. Er fasst seine Überlegungen in der Vermutung zusammen, dass sich im Baugeschehen im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts die steigende Bedeutung des markgräflichen Hofkomplexes um das sogenannte Hohe Haus widerspiegele. Das Hohe Haus stand in unmittelbarer Nachbarschaft der Klosteranlage, ebenfalls in der Klosterstraße.

Dieser Aspekt und der von Jörg Haspel und Sibylle Schulz formulierte, die Erhaltung der Ruine als Selbstzweck zu betreiben, weil der Bau die älteste Kirche Berlins war – und als Ruine ist –, reichen aus, die Bedeutung der Franziskanerklosterkirche zu charakterisieren. Die minimale Lösung in der Restaurierungsarbeit erhält, wie die AutorInnen es sich wünschen, durch den vorliegenden Band ihre ausführliche Darstellung. Die historischen Photos und aktuellen Zeichnungen aus der Arbeit der Forschenden bilden eine wunderbare Grundlage für Dokumentationstafeln, die vor und in der Franziskanerklosterkirche angebracht werden sollten. - Gerhild H. M.  Komander –

Kirchenruine des Grauen Klosters in Berlin. Geschichte, Forschung, Restaurierung (= Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin Band 23), herausgegeben vom Landesdenkmalamt Berlin, Petersberg: Michael Imhof Verlag 2007. 230 Seiten. Mit zahlreichen Abbildungen. 29,95 Euro

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| Nr. 13, September 2007 |

Ein Friedhof für die Reichshauptstadt

Der Central-Friedhof Friedrichsfelde


Friedrichsfelde hat einen Tiergarten, ein Schloss aus Hohenzollern-Zeiten, das von Krokodilhäusern und Skulpturenresten der Stadt umgeben ist, und einen großen Friedhof. Armenfriedhof, Central-Friedhof, Sozialistenfriedhof, Nationalfriedhof: Er trägt viele Namen.

Die Stadt Berlin erlebte nach dem vom Preußischen Landtag 1867 erlassenen Freizügigkeitsgesetz, das der gesamten Bevölkerung erstmals freie Mobilität gestattete, und der Gründung des Deutschen Reiches 1871 einen beispiellosen Zuzug von Menschen aus allen Landesteilen.

Einen städtischen Friedhof, der dieser Entwicklung gewachsen gewesen wäre, besaß die Stadt nicht. Stadtrat Ernst Friedel suchte nach einer modernen Lösung und fand sie in Hamburg-Ohlsdorf, wo der Senat der Hansestadt einen Parkfriedhof hatte anlegen lassen, der den Erfordernissen der Berliner Stadtentwicklung entsprach.

25,5 Hektar Land erwarb die Stadt Berlin vom Rittergutsbesitzer Carl Sigismund von Treskow. Es lag verkehrsgünstig an der Frankfurter Chaussee. Wer das Geld für den Fahrschein aufbringen konnte, hatte die Wahl, Pferde- oder Eisenbahn zu nutzen.

Hermann Mächtig, Stadtgartendirektor, erhielt den Auftrag, die Anlage des neuen Friedhofes zu gestalten. Die Ausführung der Pläne lag in den Händen des Gartenarchitekten Axel Fintelmann. Bis in die Gegenwart hat sich das Konzept Mächtigs erhalten. Der Zentralfriedhof Friedrichsfelde erschließt sich den Besucherinnen und Besuchern als weitläufiger Garten, in dem sich die Gräberfelder der gärtnerischen Gestaltung unterordnen. Lediglich am Eingang durchbricht die Gedenkstätte der Sozialisten dieses Konzept. Die Gedenkstätte entstand auf Beschluss des Berliner Magistrats im Mai 1948 und musste sich wesentliche Eingriffe des DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck gefallen lassen.

Der Zentralfriedhof Friedrichsfelde war von Anfang an ein besonderer Friedhof, weil hier die Bestattung unabhängig von religiöser und gesellschaftlicher Zugehörigkeit möglich war. „Einen Friedhof für alle“ nennt deshalb der Autor Joachim Hoffmann, Gründungsmitglied des Förderkreises Erinnerungsstätte der deutschen Arbeiterbewegung Berlin-Friedrichsfelde, den Begräbnisort. Erd- und Feuerbestattung waren erlaubt! Die Eröffnung des Fredhofes am 21. Mai 1881 war zugleich das Begräbnis des im Alter von vierzig Jahren an der Schwindsucht verstorbenen Zimmermanns Gustav Siebert.

Mit der Beisetzung des Sozialistenführers Wilhelm Liebknecht am 12. August 1900 erlangte Friedrichsfelde internationalen Ruhm. Hoffmann beschreibt sachlich und doch eindringlich, welche Wirkung davon ausging, dass sich einer der bekanntesten und geachtetsten Politiker an diesem noch als Armenfriedhof betrachteten Ort bestatten ließ. „Nicht Könige, nicht Kaiser“ erfuhren die Achtung und Zuneigung, wie sie Wilhelm Liebknecht zuteil wurde. Wohl 150 000 Menschen begleiteten den Trauerzug. Liebknecht folgten seine politischen Weggefährten: 1907 Ignaz Auer, 1911 Emma Ihrer, 1911 Paul Singer und viele andere.

Das bekannteste Grabdenkmal des Friedhofes in Friedrichsfelde schuf Ludwig Mies van der Rohe für die ermordeten Spartakus-Gründer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Im Januar 1935 ließ die nationalsozialistische Führung das Grab- und Denkmal abreißen. Es wurde nie wieder aufgebaut.

Das Buch Hoffmanns ist weit mehr als ein Friedhofs-Führer, nennt sich ja auch im Untertitel „kulturhistorischer Reiseführer“ - zu Recht. Der Zentralfriedhof gehört zu den bedeutendsten historischen Orten der deutschen und Berliner Geschichte. Diesem Umstand trägt der Autor Rechnung, indem er den über zweihundert Seiten langen Text einen ausführlichen Anhang anfügt. Darin weist Hoffmann auf Spaziergänge hin und ergänzt diese durch Pläne, veröffentlicht die Liste der Toten aus der Revolution 1918/20, führt die Namen der in Friedrichsfelde bestatteten Reichstagsabgeordneten, Künstler, Schriftsteller, Wissenschaftler und Gewerkschaftsfunktionäre auf. - Gerhild H. M. Komander –

Joachim Hoffmann: Berlin-Friedrichsfelde. Ein deutscher Nationalfriedhof. Kulturhistorischer Führer, Berlin: Verlag Das Neue Berlin 2006. 251 Seiten, 5,00 Euro

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| Nr. 12, August 2007 |

Hertha gegen Preußen

Englische Fußlümmelei erobert Berlin


Was ist schon dran, wenn 22 mehr oder weniger erwachsene Männer über den Rasen rennen, kraquelen und rempeln, um einen Lederball ins Tor zu jagen? 1881 lösten die Jugendlichen auf dem Tempelhofer Feld Entsetzen aus, bei allen, die älter waren als die Spieler.

Zwei Fußball begeisterte Autoren haben sich der Geschichte des Vereins von der Plumpe angenommen und erzählen auf 191 Seiten vom Aufstieg des B. F. C. Hertha 1892 bis in das Jahr 1923. Der ersten Generation war das Fußballspiel offensichtlich wichtiger als die Vereinsgründung. Denn über letztere sind selbst Kenner uneins.

So viel steht fest: Otto Lorenz war dabei. Er bestimmte in seinen Erinnerungen den Arkonaplatz in Prenzlauer Berg zum Gründungsort. Vielleicht war es auch der Vinetaplatz im Wedding oder aber die „Promenade der Stralsunder Straße vis à vis des Hauses Nr. 3, so behauptete es Fritz Lindner, ebenfalls ein Mann der ersten Stunde.

Mit einigem Amusement ist diese Gründungsgeschichte im Buch von Tragmann und Voß nachzulesen. Fritz Lindner, Otto Lorenz und Wilhelm Frentsch kommen selbst zu Wort. In Aussagen aus den Jahren 1934 und 1937 erinnern sich die den Fußballschuhen entwachsenen Herren der Gründung und widersprechen einander heftig. Dem Dampfer Hertha, der dem Berliner Fußballclub den Namen lieh, ist auch ein kurzes Kapitel gewidmet.

Erstes Spielfeld im Berliner Norden war der Exerzierplatz in der Bernauer Straße, der Exer am Prenzlauer Berg. Spiele und Begegnungen gab es reichlich, Fußballclubs auch. In den Zeitungen erschienen die ersten Werbeanzeigen: „Letzte Neuheit! Fussball-Stiefel für Stürmer.“ Stiefel kosteten im Durchschnitt so viel wie ein Fußball. 8,50 Mark verlangte das Sportgeschäft Seidel in der Rosenthaler Straße 34-35.

Jahr für Jahr, genauer gesagt, Saison für Saison beschreiben die Autoren die Vereinsgeschichte, spielgenau, Niederlagen und Siege der Hertha, flechten Geschichten um Spieler und Wettessen ein und führen die Leser (und Leserinnen?) zum ersten Höhepunkt in der Saison 1905/06, in der Hertha die Deutsche Meisterschaft errang – am 6. Mai 1906. Drei Jahre später erschien das erste Vereinsblatt, fünf Jahre später marschierten die Jungen in den Krieg, aus dem 36 Herthaner nicht zurückkehrten.

Am 22. Juli 1922 feierten die Spieler ihr dreißigjähriges Jubiläum im Schloss Schönhausen. Als erster offizieller Trainer bei Hertha trat Richard Girulatis an, der an der 1920 in Berlin gegründeten Deutschen Hochschule für Leibesübungen lehrte. Dort begann vor achtzig Jahren Sepp Herberger sein Studium. Aber das ist eine andere Geschichte. - Gerhild H. M. Komander –

Harald Tragmann und Harald Voß: Der B. F. C. Hertha 1892. Die Geschichte des Vereins von der Plumpe 1892 – 1923. Die Hertha-Chronik Band 1, Berlin: Verlag Harald Voß 2006. 191 Seiten, 24,80 Euro

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