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| Nr. 16, Dezember 2007 |

Fünf Millionen Gäste zählte die Stiftung Stadtmuseum in der Berliner Nikolaikirche seit der Wiedereröffnung zur 750-Jahr-Feier der Stadt Berlin 1987. Jetzt wird die Museumskirche geschlossen, damit notwendige Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten vorgenommen werden können.

Die Nikolaikirche schließt. Ein letzter Blick 


Von GERHILD H. M. KOMANDER


Sie ist ein stolzer Bau, die Nikolaikirche, und der älteste erhaltene Kirchenstandort der Stadt Berlin. Seit ihrer Wiedereröffnung 1987 ist sie eine Museumskirche und bedarf nun dringend der Erneuerung.

Seit etwa 1230, als Berlin und Cölln das Stadtrecht erhielten, gibt es eine steinerne Stadtkirche an diesem Ort. Die Bürger Berlins bauten sie beständig um, erneuerten und vergrößerten ihre Kirche mehrfach. Bombardierungen während des Zweiten Weltkriegs richteten so großen Schaden an, dass nach 1945 Pläne entstanden, den Nikolaikirchplatz von der Ruine zu befreien und ganz und gar neu zu bebauen.

1944 waren die Turmhelme der Nikolaikirche zerstört worden, 1945 brannte das Kirchenschiff aus, bis 1949 stürzten die mittelalterlichen Gewölbe und die nördliche Pfeilerreihe ein. Ein großer Teil der wertvollen Ausstattung ist unwiederbringlich verloren. Die Ruine wurde gesichert, so daß 1956-58 und 1980-82 umfangreiche Ausgrabungsarbeiten vorgenommen werden konnten, denen wir die Rekonstruktion des romanischen Grundrisses von St. Nikolai und die Entdeckung eines vorromanischen Friedhofes verdanken.

Zur 750-Jahr-Feier der Stadt Berlin im Jahre 1987 konnten die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen werden, die 1981 begonnen hatten. Die Nikolaikirche erhielt ihre mittelalterliche Innenraumfassung zurück und ist seitdem als Museum geöffnet.
Die Berliner Nikolaikirche war über die Jahrhunderte ein historischer Ort des religiösen und weltlichen Lebens der Stadt. 1539 wurde sie Zeugin der Reformation: Die erste lutherische Predigt fand vor der offiziellen Anerkennung durch den Landesherrn am 14. September statt, am 2. November gab es das erste offizielle lutherische Abendmahl.

Ein Jahr später gewährte der Küster der Nikolaikirche gegen kurfürstliches Verbot Hans Kohlhase Unterkunft. 1657 bis 1666 wirkte Paul Gerhardt als Prediger hier, bis er als Gegner der vom Kurfürsten angestrebten Kirchenunion Berlin verlassen mußte. Seinem Wirken widmete das Stadtmuseum im Sommer 2007 eine umfassende Ausstellung.

Der Begründer des Pietismus, Philipp Jacob Spener, versah ab 1690 seinen Dienst als Propst an St. Nikolai und wurde 1705 an seinem Wirkungsort bestattet. Die Kirche erweist sich - bedenkt man die vielen zerstörten Grabmäler - als Berliner Grabstätte ersten Ranges. 1694 fand auch der Hofhistoriograph Samuel von Pufendorf hier seine letzte Ruhestätte.

Die Stiftung Stadtmuseum erklärt:

„Vor allem bauphysikalisch und haustechnisch bedingte Probleme machen eine Instandsetzung unerlässlich. Sowohl an den Gewölben, wie auch Mauerwerk und Fußboden sind bauliche Maßnahmen dringend vonnöten. Elektroanlagen und Heizungssystem müssen erneuert und das Gebäude zeitgemäß mit einer automatischen Brandmeldeanlage und ausreichendem Schutz vor Einbruch ausgestattet werden.

Die abschließende Erneuerung von Anstrichen, die notwendige Modernisierung der Beleuchtung sowie weitere technische Verbesserungen werden so den veränderten Anforderungen an einen Ausstellungs- und Veranstaltungsort von diesem Rang gerecht.“

Zweihundert Jahre nach der Einsegnung der ersten Stadtverordneten Berlins im Jahr 1809, im Spätherbst 2009, wird die Nikolaikirche feierlich wieder eröffnet werden. So ist es geplant.
So lange könne, wer an den Fortschritten der Bauarbeiten teilhaben wolle, sich regelmäßig auf der Website des Stadtmuseums informieren, heißt es in der Presseerklärung.

Bis zur Schließung sind weiterhin die Ausstellungen „Auf den Spuren Paul Gerhardts“ und „geschichts-codes 2007. Entwürfe für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal“ zu sehen. Trösten wir uns mit dem Ausblick auf eine wunderschöne Kirche im Herbst 2009 und wünschen gutes Gelingen.


Museum Nikolaikirche

Nikolaikirchplatz, Mitte
Eintritt: frei (um eine Spende wird gebeten)
Telefon: (030) 240 02 - 162
 
Öffnungszeiten bis 1. Januar 2008:
Sonntag, 30. Dezember 2007, 10 bis 18 Uhr
Dienstag, 1. Januar 2008, 14 bis 18 Uhr

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- © gerhild komander 12/07 -