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Fundstücke aus der Berliner Geschichte

aus Berliner Zeitungen und Dokumenten


| Nr. 28, Dezember 2008 | 


G. Bosse'sche Gemälderahmen-Fabrik

Rahmen in feinsten französischen Mustern

Berliner Geschichte: Bosse'sche Gemälderahmen-Fabrik 

Aus:
Freie Secession 1914. Katalog der ersten Ausstellung der Freien Secession Berlin 1914, Verlag der Ausstellungshaus am Kurfürstendamm G.M.B.H., Berlin W. Victoriastraße 35

***

Die im Reklamedruck genannte Derfflingerstraße gibt es noch: Sie verbindet die Lützowstraße in Tiergarten mit der Kurfürstenstraße. Die Gegend südlich des Tiergartens war damals ein quirliges Kunst- und KünstlerInnen-Viertel.


| Nr. 27, November 2008 |  

  

Hanswursts Reise in die Hölle und wieder zurück 

 „Von der Rohheit des damaligen deutschen Schauspiels ...“
(um 1777):
Ankündigungen zu einer Vorstellung von Leuten zu Pferde mittels einer Trommel

Mit gnädiger Bewilligung einer hohen Obrigkeit wird heute in dem Theater von der privilegierten u. s. w. Gesellschaft deutscher Schauspieler aufgeführt werden: 

eine mit lächerlichen Scenen, ausgesuchter Lustbarkeit, lustigen Arien und Verkleidungen wohl versehene, dabei aber mit ganz neuen Maschinen und Dekorationen artig eingerichtete, auch mit verschiedenen Flugmaschinen ausgezierte und mit Scherz, Lustbarkeit und Moral vermischte, durch und durch auf lustige Personen eingerichtete, gewiß sehenswürdige große Maschins-Komödie unter dem Titel „Hanswursts Reise in die Hölle und wieder zurück“, wobei dieser arme, von Teufeln oftmals erschreckte, verzauberte, von seinem Herrn aber geprügelte, dumme und mit Colombine, einer verschmitzten Kammerjungfer ehelich verlobter Diener, in folgenden Verkleidungen erscheinen werde: 

1. als Reisender,
2. als Cavalier,
3. als Pavian,
4. als Schonrsteinfeger,
5. als Husar,
6. als Zigeuner,
7. als Kroat,
8. als Barbier,
9. als Doktor,
10. als Tanzbär,
11. als affektierte Dame,
12. als Läufer,
13. als Kupplerin,
14. als Nachtwächter,
15. als Dame ohne Kopf und
16. als ein von den Teufeln geholter Bräutigam. 

Dabei werden allezeit lustige Arien gesungen werden. Wir können übrigens versichern, daß die heutige Maschins-Komödie die Krone aller Maschins-Komödien ist.   


Aus: Otto Weddigen: Geschichte der Berliner Theater, Berlin 1899, S. 22/23 

***
Die Erwähnung der Colombine verweist auf die Herkunft dieser Bühnenstücke, genannt Maschinenkomödien: Sie stammen aus der Commedia dell'Arte und dem Wiener Volkstheater. Es kam darauf an, möglichst viel Budenzauber zu veranstalten, im wahren Sinne des Wortes. Maschinen waren dem 18. Jahrhundert keineswegs unbekannt, die Mechanik verzauberte nicht nur Gelehrte wie Leonhard Euler. Der Berliner Aufklärer Friedrich Nicolai allerdings sah seine Aufgabe darin, diesem Spuk ein Ende zu machen.


| Nr. 26, Oktober 2008 |

Weeßte Kutscher ...

Warum verloren die Droschkenkutscher den Wettkampf mit den Automobilen?

Wohl bekomms

Aus: Groß-Berliner Kalender von 1915


| Nr. 25, September 2008 |

Buchdrucker

Jeder Buchdrucker muss ein eigenes Privilegium zur Anlegung einer Buchdruckerey sich erwerben

Die Buchdruckerkunst ist, besonders in der neuern Zeit, hier ganz vorzüglich gestiegen, und einige Buchdruckereyen, besonders die des verstorbenen Ungers, haben wahre Prachtwerke geliefert. Jeder Buchdrucker muß ein eigenes Privilegium zur Anlegung einer Buchdruckerey sich erwerben und nachweisen, daß er nicht allein diese Kunst ordentlich erlernt, sondern auch das benöthigte Vermögen besitze. Sie sind übrigens unabhängig von einander und nicht geschlossen.

Das sogenannte Postuliren bey denselben ist sowohl hier als in allen Preußischen Staaten, unter dem 8ten October 1803 gänzlich verboten. Die sämmtlichen hier angegebenen Buchdrucker unterhalten 96 bis 100 Pressen, über 100 bis 150 Gesellen und gegen 40 Lehrlinge. Da nicht alle Pressen immer im Gange sind, so kann man annehmen, dass wöchentlich 100 Ballen Papier verdruckt werden, und wenn man diese im Mittelpreise, den Ballen zu 15 Rthlr., anschlägt, so ist der Papierbedarf der hiesigen Buchdruckereyen jährlich 80.000 Rthlr.

Aus:

Johann Christian Gädicke: Lexicon von Berlin und der umliegenden Gegend. Enthaltend alles Merkwürdige und Wissenswerthe von dieser Königsstadt und deren Gegend. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde, Berlin: Gädicke 1806
 

 | Nr. 24, August 2008 |

Die Canaille

Friedrich der Große im Gespräch
mit dem Philosophen Christian Garve

Bei seinem letzten Besuche in Breslau im Jahre 1785 unterhielt sich Friedrich mit dem Professor Garve über philosophische Dinge, wobei er den großen Haufen Canaille nannte. Garve* wollte diesen Ausdruck nicht gut gelten lassen.
„Als Euer Majestät,“ sagte er, „gestern in die Stadt einzogen und alles Volk zusammenlief, um seinen König zu sehen, das war doch keine Canaille!" - „Lieber Professor,“ erwiderte der königliche Pessimist, „setze Er einen alten Affen auf den Gaul und lasse Er ihn durch die Gassen reiten, das Volk wird ebenso zusammenlaufen.“

Aus: Anekdoten von Friedrich dem Großen, eingeleitet von Reinhold Schneider, Leipzig: Insel-Verlag ohne Jahr (dreißiger Jahre)

***
Christian Garve (1742-1798) übersetzte wesentliche Werke der englischen und schottischen Aufklärungsphilosophie.


| Nr. 23, Juli 2008 |

„Mensch, dir haben se woll vajessen zu bejraben.“

Berlinerisch mit Hans Ostwald

Ein Berliner trifft einen alten Freund, der sichtlich schwer erkrankt ist, da sagt der Berliner zu ihm: „Mensch, dir haben se woll vajessen zu bejraben.“

Aus:
Hans Ostwald: Was nicht im Wörterbuch steht. Berlinerisch, mit vielen Zeichnungen von Heinrich Zille, Karl Arnold und Rudolf Großmann, München: R. Piper & Co. Verlag 1932


| Nr. 22, Juli 2008 |

Schaukeln, Schwebetrapeze und Muskelstärker in der Großen Frankfurter

Turngeräte Rudolph Haase

Aus: Adressbuch Berlin, 1911
 

| Nr. 21, Mai 2008 |

 Blumen, Bouquets, ja selbst Pflanzen und Gewächse

Blumenfabriken in Berlin

Die meisten dieser Kunstwerkstätten gehören eigentlich zu den Erscheinungen der neueren Zeit, obgleich schon im Jahre 1770 der Kaufmann de Rieny eine italienische Blumenmanufaktur errichtete, welche in den achtziger Jahren an den Kaufmann Martin Friedel an der Gertrauden-Brücke überging. Diese Fabrik beschäftigte damals 140 Frauenzimmer.

Die Blumen, Bouquets, ja selbst Pflanzen und Gewächse, wurden mittelst der Häute der Cocons oder Seideneier nachgeahmt, und man verbrauchte jährlich 8- bis 900 Pfund gute weiße Cocons, 300 Pfund gelbe und eben so viel durchgefressene. Der Werth der Fabrikate dieser Manufaktur war im Jahre 1782 bis auf 24,000 Thaler gestiegen. Die größere Hälfte der großen Masse künstlicher Blumen ging außer Landes.

Eine zweite Blumen-Manufaktur legte, im Jahre 1783, Siegmund Otto Treskow unter der Stechbahn an. Von den in der Gegenwart vorhandenen Blumenfabriken hatten wir Gelegenheit, die der Herren Kramer und Tallacker, Brüderstraße Nr. 12, in Augenschein zu nehmen. Sie liefert alle Arten künstlicher Blumen treu nach der Natur und nach der Fantasie gearbeitet, in die Form gebunden, wie es die neueste Mode vorschreibt. Früher führten diese Herren nur französische Blumen, seit zwei Jahren aber haben sie diesen Artikel ganz besonders berücksichtigt und sie fabriciren jetzt selbst alle Arten künstlicher Blumen, eben so vollkommen, aber viel billiger als die Franzosen, daher fast ganz Norddeutschland von ihnen damit versehen wird.

Wenn man diese bei den genannten Herren oder bei den Herren Backofen, Jerusalemer Straße Nr. 18, Louis Tallacker, Alte Grünstraße Nr. 19, oder Thiedemann, Krausenstraße Nr. 40 u. s. w. in Augenschein zu nehmen Gelegenheit hat, so überzeugt man sich sehr bald, daß Berlin binnen Kurzem für ganz Deutschland der Hauptsitz dieses Zweiges der Industrie sein wird. Die sämmtlichen größeren und kleinern Blumen-Fabriken, deren das kaufmännische Adreßbuch für Berlin im Jahre 1830 sechzehn aufführte, beschäftigen über 300 Frauenzimmer, und dennoch fehlt es noch an einer zureichenden Zahl guter Arbeiterinnen.

Aus:
Neuestes Conversations-Handbuch für Berlin und Potsdam zum täglichen Gebrauch der Einheimischen und Fremden aller Stände, hrsg. von L. Freiherr von Zedlitz, Berlin 1834


| Nr. 20, April 2008 | 

Versäumen Sie es nicht, Ihr Reisegepäck zu sichern!

Berliner Geschichte: Deutscher Lloyd in der Königgrätzer Straße 77

Aus:
Freie Secession 1914. Katalog der ersten Ausstellung der Freien Secession Berlin 1914, Verlag der Ausstellungshaus am Kurfürstendamm G.M.B.H., Berlin W. Victoriastraße 35

***

Die Königgrätzer Straße erhielt ihren Namen 1867 nach der Schlacht bei Königgrätz in Böhmen und heißt seit 1947 Stresemannstraße, wie schon zuvor in den Jahren von 1930 bis 1935. 1935 bis 1945 trug sie den Namen Hermann-Göring-Straße.


| Nr. 19, März 2008 |

Blitzableiter

Diese Erfindung Franklins* (1755) wurde in Berlin zuerst im Jahre 1777 nach der Angabe des Professor Sulzer* und Geheimen Bergraths Gerhard, auf dem im Jahre 1773 von Friedrich II. durch Boumann* den Vater erbauten Montirungs-Magazin, Köpnicker Straße Nr. 11, angewendet. In der Gegenwart verfertigt und setzt Herr Elgeti, Lindenstraße Nr. 81, Blitzableiter nach der neuesten Anweisung des Profesor Gilly* und Geheimen Ober-Bauraths Eytelwein*.

Aus:
Neuestes Conversations-Handbuch für Berlin und Potsdam zum täglichen Gebrauch der Einheimischen und Fremden aller Stände, hrsg. von L. Freiherr von Zedlitz, Berlin 1834

***

*Benjamin Franklin (1706-1790)
*Johann Georg Sulzer (1720-1779)
*Jan Boumann (1706-1776) 
*David Gilly (1748-1808)
*Johann Albert Eytelwein (1764-1848)

Im Verlag Friedrich Nicolai erschien 1781 die Schrift: Beschreibung einer Zurüstung welche die anziehende Kraft der Erde gegen die Gewitterwolke und die Nützlichkeit der Blitzableiter sinnlich beweiset, verfasst von Nikolaus Anton Johann Kirchhof und James Ferguson. Das Göttinger Digitalisierungszentrum bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen hat das Buch digitalisiert.


| Nr. 18, Februar 2008 | 

Gebt Wäsche aus dem Hause

Gebt die Wäsche aus dem Text, der Text

Aus:

Was die Frau von Berlin wissen muß ... Ein praktisches Frauenbuch für Einheimische und Fremde. Unter Mitwirkung der berufensten Vertreterinnen auf den verschiedensten Gebieten der Frauenarbeit, zweite Ausgabe, Berlin und Leipzig: Herbert S. Loesdau Verlagsbuchhandlung 1932


| Nr. 17, Januar 2008 |

Nächtliche Sicherheit

Sie wird, außer von den fungirenden verschiedenen Polizei-Beamten, durch die militairischen Patrouillen gehandhabt. Sie ziehen zu diesem Behufe des Abends auf die Wachen, außer der ordnungsmäßig zu einer jeden wache gehörigen Mannschaft, und diese Sicherheit wird, wenn nicht dann und wann durch einen Diebstahl, oder zuweilen durch betrunkene, im Ganzen wenig gefährdet.

Es ist bei uns, Dank sei es der bürgerlichen Ordnung, ein Jeder so sehr an die Bürgerglocke, wie man die 10. Stunde zu nennen pflegt, gewöhnt, daß man selten nach derselben Menschen auf den Straßen sieht, mit Ausnahme einiger Nachtschwärmer, an denen es in großen Wohnplätzen nie fehlt.

Was die Nachtwächter anbetrifft, so traten sie in Berlin im Jahre 1677 erst an die Stelle der Stadtdiener, welche bis dahin des Nachts die Sunden abrufen mußten. Die Zahl der Nachtwächter beläuft sich auf mehr als 150. Sie stehen unter den Nachtwachtmeistern, und tragen ein Blech.

Im Oktober, November, Dezember, Januar, Februar, März und April sind sie von 10 – 5, im Mai, August, September von 10 – 4, und im Juni und Juli von 10 – 3 Uhr im Dienst; sie zeigen den Wechsel der Stunde durch eine Pfeife, und zwar die 10. Stunde durch ein einmaliges, die 11. durch ein zweimaliges, die 12. durch ein dreimaliges Pfeifen u. s. w., im Sommer die 11. durch ein einmaliges u. s. f. an;

Den Ausbruch eines Feuers aber durch das Horn, und bei etwaiger Störung der Ruhe durch Unruhestifter rufen sie durch eine eigene Nothpfeife mehrere Nachtwächter und die Patrouillen herbei.

Nächst der Sorge für die nächtliche Ruhe und Sicherheit auf den Straßen haben sie auch noch auf das ordnungsmäßige Schließen der Häuser, nach der 10. Stunde im Winter und nach der 11. im Sommer, zu sehen, und haben das Offenstehenbleiben der Hausthüren, wenn sie vom Wirthe nicht mit einem Hausschlüssel versehen sind, diesem sogleich und auch dem Polizei-Kommissarius anzuzeigen.


Aus:

Neuestes Conversations-Handbuch für Berlin und Potsdam zum täglichen Gebrauch der Einheimischen und Fremden aller Stände, hrsg. von L. Freiherr von Zedlitz, Berlin 1834

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