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 | Nr. 17, Januar 2008 |

 

Berlin 1933  Berliner Geschichte im Rückblick

 

 Mörderbanden terrorisieren Berlin

 
3. Januar Im „Gau Berlin“ beginnt die NSDAP mit vier Massenkundgebungen die Forderung zu untermauern, Adolf Hitler als Reichskanzler einzusetzen. 
   
20. Januar  Hitler spricht vor 5 000 Anhängern der nationalsozialistischen Bewegung im Sportpalast, Potsdamer Straße, Schöneberg. 
   
22. Januar   Demonstration der Sturmabteilung (SA) mit 16 000 Teilnehmern vor der Berliner Zentrale der KPD, Bülowplatz (Rosa-Luxemburg-Platz). Die Polizei sichert den Aufmarsch und besetzt das Gebäude der KPD. 
   
  Auf dem Nikolai-Friedhof, Prenzlauer Berg, findet eine Gedenkfeier für Horst Wessel statt, an der auch Adolf Hitler teilnimmt. 
   
24. Januar   

Das Jüdische Museum in der Oranienburger Straße 31 wird im Beisein Max Liebermanns  eröffnet 

   
25. Januar   130 000, vielleicht sogar 150 000 Menschen demonstrieren gegen die NSDAP.
   
  Die NS-Betriebszellen-Organisationen veranstalten in den Pharus-Sälen in der Müllerstraße 142, Wedding, eine Massenkundgebung und fordern, Reichskanzler Kurt von Schleicher abzusetzen.   
   
28. Januar  

Reichskanzler Kurt von Schleicher ersucht den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg um Vollmacht zur Auflösung des Reichstages, die Hindenburg jedoch verweigert. Schleicher tritt zurück. Damit ist die Regierung Schleicher gestürzt.

   
30. Januar

Im Hotel Kaiserhof am Wilhelmplatz ernennt Reichspräsident Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Zum „Kabinett der nationalen Konzentration“ gehören als Innenminister Wilhelm Frick und als Minister ohne Geschäftsbereich Hermann Göring sowie acht Minister aus dem deutschnational-konservativen Lager, darunter Alfred Hugenberg als Wirtschaftsminister (Deutschnationale Volkspartei) und Vizekanzler Franz von Papen (Zentrumspartei).

   
  15 000 Mitglieder von SA, Schutzstaffel (SS) und Stahlhelm ziehen mit einem Fackelzug durch den Tiergarten und das Brandenburger Tor. Über die Straße Unter den Linden ziehen die Nationalsozialisten an der Reichskanzlei in der Wilhelmstraße vorbei. 
   
1. Februar 

Reichspräsident Hindenburg löst auf Drängen Adolf Hitlers den Reichstag auf.

   
6. Februar  Mit der Auflösung des Preußischen Landtags beginnt Franz von Papen, preußischer Reichskommissar, die „Gleichschaltung der Länder“. Alle parlamentarisch legitimierten demokratischen Beamten der Ministerien, Regierung und Polizei werden entlassen.
   
17. Februar

Hermann Göring befiehlt als preußischer Ministerpräsident der preußischen Polizei mit dem „Schießerlaß“, die Schusswaffen gegen die politischen Gegner einzusetzen.

   
20. Februar  Hermann Göring lädt Vertreter der Bankwirtschaft und Großindustrie in das Palais des Reichspräsidenten: Die Bankiers und Industriellen begeistern sich für das Programm der NSDAP und beantworten die Einladung mit einer Spende von drei Millionen Reichsmark an die Partei.
   
22. Februar  Hermann Göring organisiert 50 000 Mitglieder von SA, SS und Stahlhelm als „Hilfspolizei“. Sie stellen in den kommenden Wochen 25 000 Menschen unter „Schutzhaft“ .
   
27./28. Februar  Reichstagsbrand
Obwohl sich der Niederländer Marinus van der Lubbe der Brandstiftung für schuldig bekennt und betont, in eigener Verantwortung gehandelt zu haben, behaupten die Nationalsozialisten, der Brand sei eine Verschwörung der KPD gewesen.
   
28. Februar 

„Reichstagsbrandverordnung“
Reichsinnenminister Frick legt die „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat vor“. Sie setzt die Grundrechte der Verfassung außer Kraft und versetzt das Deutsche Reich in einen permanenten Ausnahmezustand. Die Verordnung wird vom Kabinett gebilligt und vom Reichspräsidenten unterzeichnet. Politische Gegner können fortan „legal“ ohne Anklage und Beweise in „Schutzhaft“ genommen werden.

   

3. März 

Der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann wird in Berlin in seinem Versteck verhaftet.  

   
5. März 

Reichstagswahlen
Die NSDAP kann ihr Wahlziel einer absoluten Mehrheit nicht erreichen, sondern erhält nur 43,9 Prozent der Stimmen. Die SPD bleibt mit 18,3 Prozent zweitstärkste Partei, die KPD mit 12,3 Prozent drittstärkste, obwohl sie den Wahlkampf gänzlich aus dem Untergrund führt.

   
8. März  Unter Berufung auf die „Reichstagsbrandverordnung“ werden die Mandate der KPD-Abgeordneten für ungültig erklärt.
   
13. März  Joseph Goebbels, „Gauleiter“ von Berlin und Brandenburg, übernimmt das Reichsministerium für Propaganda und Volksaufklärung.
   
15. März   Auflösung des Berliner Magistrats. Ernennung des nationalsozialistischen Stadtverordneten Julius Lippert zum Staatskommissar durch den preußischen Innenminister Göring. 
   
21. März   Goebbels inszeniert den „Tag von Potsdam“. Er wählt bewusst den Tag, an dem 62 Jahre zuvor der erste Reichstag des deutschen Kaiserreichs zusammengetreten war, um das „Dritte Reich“ in die Nachfolge des zweiten Deutschen Reichs zu stellen.
   
22. März   In Dachau bei München wird das erste Konzentrationslager eingerichtet. 
   
23. März  

„Ermächtigungsgesetz“
Der Reichstag stimmt dem „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“ mehrheitlich zu. Es ermächtigt die Regierung, Gesetze ohne die Zustimmung von Reichstag, Reichsrat und Reichspräsident zu erlassen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Otto Wels wendet sich im Namen seiner Partei in der Reichstagssitzung in der Berliner Krolloper gegen das von den Nationalsozialisten. Die Rede von Otto Wels ist auf der Website der SPD nachzulesen. Die KPD ist im Reichstag nicht mehr vertreten. Sie wird formell nie aufgelöst, aber zerschlagen.

   
31. März  Fricks „Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich“ wird verabschiedet. Die gewählten Parlamente der deutschen Länder werden aufgelöst.  
   
1. bis 4. April  Goebbels organisiert den Boykott gegen jüdische Geschäfte im Deutschen Reich. Mitglieder von SA und SS bedrohen KundInnen und GeschäftsinhaberInnen und verüben Gewalt gegen Menschen, die in jüdischen Geschäften eingekauft haben.
   
7. April   Die Regierung verabschiedet das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“. Es betrifft alle Beamten, die „nicht arischer Abstammung sind“ und die „nach ihrer bisherigen politischen Betätigung nicht die Gewähr dafür bieten, daß sie jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat eintreten“. Titel und Pensionen werden aberkannt. Das Gesetz betrifft alle Menschen, die sich nicht der NSDAP-Führung unterwerfen und diejenigen, die jüdischer Herkunft sind.
   
2. Mai  Die Zerschlagung der Gewerkschaften beginnt mit der Besetzung der Gewerkschaftshäuser durch Polizei, SA und SS. 
   
10. Mai Bücherverbrennung durch die SA und das Hauptamt für Presse und Propaganda der Deutschen Studentenschaft auf dem Berliner Opernplatz (August-Bebel-Platz). Goebbels verleumdet in seiner Rede die AutorInnen und ihr Werk.
   
17. Juni  Baldur von Schönaich erhält als „Reichsjugendführer“ die Aufsicht über sämtliche Jugendverbände.
   
22. Juni  Die SPD wird verboten, ihr Parteivermögen beschlagnahmt. Sämtliche Mitglieder der SPD erhalten Berufsverbot. 
   
26. Juni  Wirtschaftsminister Hugenberg tritt nach Angriffen der NSDAP zurück. Seine Partei (DNVP) löst sich auf. 
   
4. Juli  Die Deutsche Volkspartei (DVP) löst sich auf. 
   
5. Juli  Die Zentrumspartei löst sich auf. Die NSDAP ist nun die einzige Partei im Deutschen Reich. 
   
14. Juli  Die Regierung verbietet die Bildung von Parteien. 
   
25. August  Nach einer Mitteilung der SPD-Führung im Prager Exil existieren in Deutschland 65 Konzentrationslager, in denen über 45 000 Menschen inhaftiert sind.
   
   
   
 

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