| Nr. 20, April 2008 |
Lichtenberg feiert im April 2008 das hundertjährige Stadtjubiläum. Ganz korrekt ist das nicht, denn als Stadt bestand Lichtenberg nicht einmal 12 Jahre lang, von 1908 bis 1920.
Schon 1991 hätte Lichtenberg sich an ein anderes Jubiläum erinnern können, den Erwerb des Dorfes durch die Stadt Berlin.
Berlin erwirbt das Dorf Lichtenberg
Copia ville Lichtembergh super ipsius domineo et proprietate1
1391, 23 September
Wir Jost von gots gnaden margraffe unde herre zu Merhen bekennen offenlich mit desseme briffe vor alle die en sen oder horen lesen, daz wir mit wolbedachten mude und mit rade unsers rades hochligen, vorgeben und voreygen als eyn markgraff zu Brandenborg vor uns und vor unsern erben unde nachkomen, forsten des margraffentums zu Brandenborg, dorch manichfaldiges dinstes wylle, die uns die ersamen ratmannen zu Berlin unsern liven getruwen vormals unseren vorfaren margraffen zu Brandenborg und uns getan haben und noch tun mogen, al den ratmannen die nu sein und noch zukunftigen sind, unde ouch den gemeyn burgeren zu Berlin yn ewigen tziten:
Daz dorff zu Lichtenberg mit alleme rechte, also als das an uns van Czabel Rutenik seliger dechtnisse gekomen ist, mit obersten unde nydirsten gerichte in dorffe und in felde, mit allen huben, czinsen, renten, czeheden, pflichten, dinste, wagendinste, acker gewunnen, heiden, puschin, horsten, struchgewesen, weiden, bruche unde feltmarken und alle tzugehorungen die van alter darzu gehort haben und mit den kirchlehne.
Ouch vortzige wir uns in das sulve dorff Lichtenberg alles angefalles, lybgedinges, lehns und alles rechtes, die an uns unde an unsere erben und nachkomelinge des margraffentums zu Brandeborch komen muchten oder gefallen; nichtes nicht usgenomen. Vor den eygentom haben die radmanne van Berlin gegeben ern Otten Pluch tzweihundert schok grosgen um schult wegen, die wir en pflichtig waren, dar wir ern Otten unsern liben getruwen daz vorgenante gud Lichtenberg umb geleigen und gegeben hetten.
Ouk vorzyge wir uns vor uns und unsern erben unde nachkomenden fursten des forstetums der Marke zu Brandenborch des dinstes, den wir uns, unsern forfaren margraffen zu Brandenborch vormals uff Czabel Ruterik vorgenumet hoff gehat haben und in den vorgenanten dorppe, mit orkunde des briffes, vorsigelt mit unsern angehangenden siegel.
Gegebin zu Prag nach Christus gebort dreizehnhundert yar, darnach inn dem eyn unde nynstegesten yar, des sunavendes vor deme sundage salus populi.
1 Markgraf Jobst verkauft das Dorf Lichtenberg an die Stadt Berlin. – Die Abschrift weicht von dem Original im Stadtarchiv nur in orthographischer Hinsicht ab. Nach dem letzteren sind die Drucke bei Küster a. u. n. Berlin IV. 48, Riedel A. XI. 314 und im Urkundenbuche zur berliner Chronik 214.
Aus:
Das Berlinische Stadtbuch aus dem Ende des XIV. Jahrhundert.
Berlinisches Stadtbuch. Neue Ausgabe veranstaltet bei der Feier des fünfundzwanzigjährigen Hochzeits-Jubiläums Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten des Kronprinzen Friedrich Wilhelm und der Kronprinzessin Victoria im Auftrage der Städtischen Behörden Berlins, Berlin 1883, Anhang zu Buch IV., S. 226-227: Erwerbung des Dorfes Lichtenberg
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