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| Nr. 24, August 2008 |

Strandbars in Berlin 

Es ist Sommer in der Stadt


Von HENNY BEHM


Das mit der Ostsee vor der Haustür am Kurfürstendamm hatte schon Kurt Tucholsky verträumt in Worte gefasst. Da an der Ostsee die wenigsten StrandurlauberInnen schwimmen wollen, wenn sie baden gehen, reicht es aber – erst recht in Zeiten höchster Energie- und damit Reisekosten - aus, in Berlin mindestens zwei Liegestühle in die Sonne gerichtet aufzustellen, darunter ein wenig Sand zu verteilen – Hallo! Mit Rasen ist es keine Strandbar, weil es am Strand keinen Rasen gibt, auch wenn manche Menschen sich das wünschen! – und mit Sonnenbrille und sunny Cocktail ausgerüstet abzuhängen, um zu haben, was Tucholsky wünschte.

Ob das nun bei Reggae wie im Yaam (Young and African Arts Market), dem schier unermüdlichen und unerschöpflichen soziokulturellen Experimentierfeld am Ufer der oberen Spree, geschieht oder in der Strandbar Mitte, gleich gegenüber vom Bode-Museum, wo man den Sonnenuntergang so schön über der Spree betrachten und, wenn sie untergegangen ist, die Sonne, gleich ins Hoftheater schlurfen kann.

Wer den Strand in der Hauptstadt sucht, hat wenigstens zwölf sandige Örtlichkeiten zur Auswahl, von kleineren und wenig gelungenen Imitaten einmal abgesehen. Wem es am Bundespressestrand zwischen Bundespresseamt und Hauptbahnhof zu hip ist, dem kann auf Deck 5, das sich auch sky beach nennt, weil der Sand auf das Parkdeck der Schönhauser Allee Arkaden in Prenzlauer Berg geschüttet wurde, auch nicht geholfen werden. Aber der Ausblick ist klasse!

Das ist am Capital Beach ganz anders. Wer will denn den ganzen Tag auf  den Glasberg sehen (das ist ja gar kein Glas), den die Deutsche Bahn anstelle des Lehrter Bahnhofs hingestellt hat? Versöhnlich stimmt hier allerdings die Möglichkeit, ziemlich lange in den Abend hinein der Sonne beim Zu-Bett-Schlüpfen zusehen zu können. Nur leider ist der Capital Beach gar keine Strandbar, weil er keinen Strand, das heißt keinen Sand, sondern nur Rasen hat (s.o.) und mehr wie eine Kurpromenade der sechziger Jahre wirkt, damals ohne Latte Macchiato und Caipi.

Dann also doch lieber die Spree aufwärts fahren, wer kein Boot findet, kann das auch auf der Straße tun, mit dem Fahrrad und mit dem Auto, oder mit der S-Bahn, natürlich die Schienen entlang. Am Oststrand gibt es alles. Da gibt's noch 'n bißchen Mauer in Gestalt der East Side Gallery, da gibt's echten Sandstrand (weiß der Teufel woher), Spreebrücken rechts und links und die Völkerball-Weltmeisterschaft, für deren Austragung im Juli 2009 jetzt schon wieder geworben wird.

Na ja, alle Zwölfe sind das noch nicht, aber irgendetwas muß ja immer übrig bleiben für ein nächstes Mal, wenn wieder Sommer ist und Strandbars up to date sind oder wie das dann heißen mag ... 

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- © henny behm 8/08 -

 
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