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| Nr. 16, Dezember 2007 |

Vierter Advent im Café Boca

Der Straßenfeger


Von HENNY BEHM

Otto nimmt seinen Platz ein, als sei die Ecke unter dem Garderobenständer für ihn reserviert. Heiner hat ihm sogar eine Decke gebracht. Auch Hunde frieren, wenn es kalt wird. Durchgefroren sind beide. Seit heute mittag laufen sie durch die Stadt, wechseln beharrlich die Standorte.

Der Straßenfeger-Verkauf soll noch ein bißchen Weihnachtsgeld bringen. Aber das Geschäft läuft nicht. Der Thresen-Nachbar rät ihm, am ersten Weihnachtstag wieder loszugehen. „Heute sind die Leute noch am Rechnen, ob das Geld für die Geschenke reicht.“ „Nach dem ersten Weihnachtsbraten“, mischt sich der Mann von der SOKO Wismar ein, „sind die spendabler und geben was ab.“ „Aber nicht vorm Dunkelwerden,“ ruft der Motorradfahrer. Aufmerksam hat er zugehört, legt den schwarzen Helm auf dem Thresen ab, klopft dem Soko-Mann auf die Schulter. „Nicht vorm Dunkelwerden“, wiederholt er.

Otto stellt die Vorderbeine auf, spitzt die Ohren. Heiner schaut in die Runde. Kein Arbeiter sitzt im Café, kein Laptop ist zu sehen. Die sind alle schon ausgeflogen, nachhause, in den Urlaub, sonnen sich am Strand, freuen sich auf Weihnachtsbraten. Die sind sonst seine besten Kunden. Vielleicht kommt jemand schon am ersten Feiertag zurück? Er könnte nachsehen.

Heiner schiebt der Thresenfrau sein Geld zu. Sie winkt diskret ab, lächelt und dreht sich um. Heiner lächelt auch ein bißchen. Langsam rutscht er vom Barhocker. Er bückt sich und zieht Otto die Decke weg. Das ist das Zeichen zum Aufbruch. Er nimmt die letzten Zeitungen, setzt die Mütze auf. Otto springt auf und folgt ihm. Sie zotteln die Mariannenstraße runter. Heiner hat die Decke hoch über die Schultern gezogen.

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- © henny behm 12/07 -

 

 
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